Sächsische Verhältnisse III: Ermittlungseifer

Nachdem im Dezember eine erste Verurteilung gegen einen Teilnehmer der Blockaden der Naziaufmärsche in Dresden 2011 erreicht wurde, geht die Staatsanwaltschaft Dresden  auch gegen prominente Blockierer vor. Gestern und heute wurde bekannt, dass gegen Mitglieder der Bundestagsfraktion der Partei Die Linke ermittelt wird und in diesem Zusammenhang die Aufhebung der Immunität beim Bundestag beantragt wurde. Das allein ist dieser Tage schon ein interessantes Politikum.

Ich fragte mich allerdings, wie stark die Staatsanwaltschaft Dresden eigentlich auch gegen die rechten Umtriebe rund um den 19.2.2011 ermittelt. Als Fallbeispiel suchte ich mir  den Naziangriff auf das alternative Wohnprojekt “Praxis” heraus. Zur Erinnerung:


Etwa eine Woche nach dem massiven Übergriff nahm die Sonderkommision Rechtsextremismus (Soko Rex) des LKA Dresden die Ermittlungen auf. In dem Verfahren namens Columbusstraße geht es um den Verdacht des Landfriedensbruchs in einem besonders schweren Fall. Dann kam erstmal lange nichts, bis im Mai 2011 eine Razzia stattfand. In der Praxis, mit dem Totalermächtigungsparagrafen §129 im Gepäck. Er ist im Oktober 2011 gab es erstmals eine Meldung zum Stand der Ermittlungen im Fall Columbusstraße, es fanden Hausdurchsuchungen bei Verdächtigen statt. Seitdem ist wieder Stille. Nichts ist zu hören. Nichts wurde verlautbart.

Ich spüre da ein leichtes Geschmäckle. (Addendum: Vor allem wenn man Berichte wie diesen sieht.)

Zum Schluss eine kleine, bittere Pointe, die mir beim Nachlesen zum Hintergrund der SoKo Rex auffiel. 2009 wurde der sächsische Landespolizeipräsident Bernd Merbitz “für sein herausragendes, weit über seine Dienstpflichten hinausgehendes Engagement im Kampf gegen Rechtsextremismus, Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus im Bereich polizeilicher Präventions- und Ermittlungsarbeit” mit dem Paul Spiegel Preis für Zivilcourage des Zentralrats der Juden in Deutschland geehrt. In seiner Dankesrede sagte Herr Merbitz unter anderem folgendes:

Bis zum heutigen Tag läuft dieser mitunter sehr harte Kampf gegen den Extremismus. Bedauerlicherweise haben wir hier immer noch eine Vielzahl von Straftaten mit rechtsextremistischem Hintergrund. Im vergangenen Jahr mussten wir in Sachsen sogar einen Anstieg dieser Straftaten verzeichnen. Deshalb liegt der Schwerpunkt unserer Maßnahmen auch in der Bekämpfung des Rechtsextremismus, ohne die Bekämpfung anderer Formen des Extremismus zu vernachlässigen. Wir haben unsere Bemühungen nochmalig verstärkt, u.a. durch personelle Aufstockung der SOKO Rex. Es ist aber nicht nur die SOKO Rex, die hier tätig ist.
So sind beispielsweise Nacht für Nacht die Mobilen Einsatz- und Fahndungsgruppen im Land unterwegs, um die Treffpunkte der Szene zu beobachten und zu signalisieren: „Wir sind hier und schauen Euch auf die Finger.” Die gesamte Polizei und die sonstigen Sicherheitsbehörden des Freistaates Sachsen sind hier mit eingebunden.

Den Naziterroristen der NSU hat es trotzdem ganz gut in Zwickau gefallen.

Sächsische Verhältnisse II: Legal, Illegal, Scheissegal

Bald ist wieder Februar. Das bedeutet, Nazis werden wieder versuchen, durch Dresden zu marschieren. Die letztjährige Auflage hat unter dem Stichwort Handygate einige Berühmtheit erlangt. Dabei wurden großflächig Funkzellenabfragen in Dresden gestartet und dabei alle Handynutzer in einem großen Bereich von Dresden vor, während und nach den Demos erfasst. Dazu wurden auch IMSI-Catcher eingesetzt (siehe). Um das Gedächtnis aufzufrischen, was den Umfang dieser Überwachungsmaßnahmen angeht, bitte folgendes Video anschauen:

 

Einzige Konsequenz bisher: der Dresdner Polizeipräsident Dieter Hanitsch wurde weggelobt und durch Dieter Kroll ersetzt. That’s it. Obwohl der Datenschutzbeauftragte Sachsens in seinem Prüfbericht folgendermaßen zitiert werden kann:

Von einer Beanstandung konnte ich nicht nach § 29 II SächsDSG absehen, da das Handeln der Staatsanwaltschaft Dresden und des LKA Sachsen zu einem unverhältnismäßigen Eingriff in die Grundrechte von ca. 257.000 Personen, von denen über 40.000 namentlich ermittelt wurden, führten, sowie die spezifischen Rechte von Abgeordneten, Rechtsanwälten und Journalisten in Ausübung ihrer Tätigkeit unzureichend beachtet wurden. Staatsanwaltschaft und LKA haben damit mangelnden Respekt vor dem Fernmeldegeheimnis […], der Pressefreiheit […], der Religionsfreiheit […] sowie den spezifischen Rechten von Abgeordneten und Rechtsanwälten gezeigt. Ich bewerte dieses Vorgehen als besonders schwerwiegend.

Grund für den Abzug Hanitsch’ als Polizeipräsident waren demnach auch nur Informationsdefizite. Mehr nicht. Oder wie es Carsten Biesok, rechtspolitischer Sprecher der FDP-Fraktion im sächsischen Landtag, so süß ausdrückte:

Nach Lage der Dinge ist die Dresdner Polizei bei der Erhebung von Handydaten im Umfeld des 19. Februar diesen Jahres nicht mit der notwendigen Sensibilität vorgegangen.

Fehlende Sensibilität. Wie goldig. Aber das war ja noch vor dem Prüfbericht  (pdf) des Datenschutzbeauftragten. Jetzt hätte man zumindest danach erwarten können, dass man in Dresden etwas vorsichtiger mit dem Thema umgeht und vielleicht etwas umdenkt. Doch da noch kein Richter darüber entschieden hat, scheint sich in Dresden immer noch die Meinung zu halten, dass man alles richtig gemacht hätte.

Denn der neue Dresdner Polizeipräsident macht dort weiter, wo sein Vorgänger aufgehört hatte. Mit einem Unterschied: um etwaigen Informationsdefiziten vorzubeugen, kündigt er die Totalüberwachung schon mal gut einen Monat vorher an:

Die Dresdner Polizei setzt weiterhin auf die Speicherung von Handydaten. Das sagte Polizeipräsident Dieter Kroll im DNN-Interview. Falls nötig, soll die umstrittene Funkzellenabfrage auch bei den Februar-Demonstrationen in reichlich vier Wochen genutzt werden, um später über Daten von mutmaßlichen Gewalttätern verfügen zu können, erklärte der Polizeipräsident. Kroll ist in diesem Jahr erstmals für die Arbeit der Polizei rund um den 13. Februar zuständig.

Ganz nach dem Motto: jetzt wisst ihr schon vorher, dass ihr euch in die Rechtsstaatsbefreite Zone begebt (als ob das bei überqueren der sächsischen Landesgrenzen… ich schweife ab.) Nebenbei nicht die einzige Warnung. So will der Herr tatsächlich auch Wasserwerfer und ähnlich schweres Gerät auffahren lassen. Nicht gegen Randalierer und Steinewerfer. Ne, viel äh besser:

Bei den Einsätzen im Februar wolle er den gesamten „Instrumentenkasten” der Polizei nutzen, sofern das erforderlich ist, sagte der Polizeipräsident. Dazu zählt er nicht nur „einfache körperliche Gewalt”, sollten Blockierer versuchen, das Versammlungsrecht anderer Personen einzuschränken, sondern notfalls auch den Einsatz von Wasserwerfern, Räumpanzern und anderen Hilfsmitteln.

Ich halte das für unfassbar. Aber so sind sie eben, die sächsischen Verhältnisse.

Retrogaming mit dem SNES

Super Nintendo Entertainment System. Keine anderen 4 Worte beschreiben die Zeit zwischen meinem 10. und 15. Lebensjahr besser. Vorher hatte ich zwar schon einen Gameboy, aber richtig angefixt hat mich erst das SNES und für immer für die Verführungen von Videospielen empfänglich gemacht. Von einigen Spielen schwärme ich noch heute. Die rosarote Brille hat aber nichts damit zu tun.

Tatsächlich sind Spiele aus der 16Bit-Ära im Gegensatz zu nachfolgenden Generationen gut gealtert und spielbar. Im Netz sind verschiedene Emulatoren zu finden, mit denen die Grafik und der Sound zum Teil sogar noch aufgewertet werden. Unter OSX kann ich Snes9X sehr empfehlen, unter Windows ZSNES. Emulatoren haben aber leider den Hasenfuß, dass man sich mit den Spiele-ROMs in einer rechtlich grau-schwarz-schwarzen Zone befindet.

Auch ich habe mich damit beholfen, hatte aber immer den Wunsch, mir wieder eine richtige Konsole zu besorgen. Wie es der Zufall so will, landete ein gut erhaltenes Modell zu Weihnachten auf meinem Gabentisch. Aber man muss gar nicht mal die Liebsten hoffen. Tatsächlich lassen sich die Konsolen relativ günstig finden. Je nach Ausstattung (Controller, Kabel etc.) kann man sie bei einem lokalen A&V, spezialisierten Gamingshops oder aber auf ebay für 30 – 70 Euro erstehen. Dabei sollte man sich nicht von etwaigen Verfärbungen der Plastikhülle abschrecken lassen, das ist normal und der verwendeten Kunststoffmischung geschuldet. Ein größeres Problem sind aber die Controller,  deren Tasten mit der Zeit einfach nachlassen. Online kann man nur vertrauen, im Laden unbedingt vorher ausprobieren. Allerdings: wenn man nicht unbedingt Originalcontroller braucht, tun es die diversen Dritthersteller auch.

Spiele bekommt man grundsätzlich über die gleichen Wege. Sorgen über den Zustand muss man sich jedoch nie machen. Die Cartridges sind mehr oder weniger unkaputtbar, die einzige Angriffsfläche bieten die Kontakte zur Konsole hin. Durchpusten oder die Reinigung mit etwas Alkohol helfen jedoch immer. Problematisch sind wenn überhaupt die verbauten Batterien, die das Modul mit Strom versorgen, um Speicherstände zu erhalten. Diese geben irgendwann einfach ihren Geist auf. Lösung ist hier der Austausch der Knopfzelle, Anleitungen sind mannigfaltig zu finden. Spezialisierte Läden, wie das RETRO Games in der Eisenbahnstrasse, übernehmen das bestimmt auch gerne.

Beim Kauf der Spiele sollte man wiederum nicht allzu blauäugig sein. Nur weil der eBay-Verkäufer meint, die Aussage “Selten” mit 5 Ausrufezeichen zu versehen, muss dem noch lange nicht so sein. Grundsätzlich gilt, dass sich alle Mario und Donkey Kong Country Teile vor 15-20 Jahren so gut verkauft haben, dass sie noch sehr oft und einfach zu bekommen sind. Gleiches gilt auch für Secret of Mana, dass trotzdem teilweise Mondpreise erzielt. Wie immer gilt, dass sich etwas Geduld auszahlt, denn irgendwann wird sich das gewünschte Spiel mal in einer Privatauktion finden lassen, wo man es dann teilweise deutlich günstiger bekommt, als bei den spezialisierten eBay-Händlern. Kann man auf Verpackungen und Anleitungen verzichten, sollte man mit ein paar Ausnahmen (Mega Man, Castlevania: Vampires Kiss und ein paar andere) jedes regulär in Deutschland erschienene Spiel für 5 bis 15 Euro erwerben können. Muss das Spiel nicht auf Deutsch sein, sind die Amazon-UK Marketplaces einen Blick wert.

Schwierigere, und damit auch teurere, Fälle sind Titel, die in Deutschland indiziert waren oder aber erst gar nicht erschienen sind. Indizierte Titel sind bei eBay Deutschland grundsätzlich nicht zu haben (wenn, dann nur mit viel Glück, wenn die eBay Kontrolle versagt hat). Hier lohnt sich ein Blick entweder auf die internationalen eBay-Seiten oder aber auf die Amazon.Co.Uk Marketplaces. Hier gibt es immer wieder Anbieter, die auch nach Deutschland versenden. Und die Preise sind human. Mortal Kombat II hat mich dort nur 14€ gekostet. Einige der größten Klassiker für das SNES haben niemals den Sprung nach Europa geschafft. Darunter Final Fantasy 5 & 6 (in den USA Final Fantasy 2 & 3) und Chrono Trigger. Diese bekommt man nur als US-Version und braucht dafür entweder einen Adapter oder ein umgebautes SNES, um sie hier spielen zu können. Die Preise sind auch dementsprechend hoch. Final Fantasy 6 habe ich mit etwas Glück für 40€ schiessen können, höhere Preise sind durchaus normal. Auch hier lohnt sich aber immer ein Blick auf ausländische Seiten, die oftmals selbst mit Versandkosten günstiger sind, als Angebote von deutschen Händlern. Und dann gibt es ja auch noch die Spiele, die es nur in Japan gab. Der Nachfolger von Secret of Mana zum Beispiel. Wer des Japanischen mächtig ist (oder ein Hardcoresammler), kann auf eBay gerne sein Glück versuchen. Ich bleibe da dann doch lieber bei ROMs mit Fanübersetzungen.

Überhaupt: Regionalsperren. Schon damals war es so, dass sich US oder japanische Spiele nicht auf europäischen Konsolen spielen ließen. Dies lag zum einen an der verwendeten TV-Technik (EU: PAL, US: NTSC, Japan: NTSC), zum anderen an unterschiedlichen Bauformen. Um dies zu umgehen, braucht man entweder Adapter, die zwischen Spiel und Konsole gesteckt werden, oder aber man baut bzw. lässt seine Konsole umbauen. Möglich ist dies zum Beispiel bei Wolfsoft.

Das beste Spielerlebnis hat man mit einem Röhrenfernseher. Aufgrund der Tatsache, dass moderne LCD/ LED Fernseher eine Mindestauflösung haben, werden die Bilder des SNES hochskaliert und sehen deshalb immer etwas arg pixelig aus. Wer noch etwas Platz dafür hat, sollte es sich gönnen. In der eigenen Bekanntschaft kann man bestimmt immer ein günstiges Gerät erwerben.

Zu guter Letzt ein Tipp. Wer sich den Aufwand mit einer eigenen Konsole sparen und trotzdem Originalspiele mit Controller spielen will, sollte sich die Retrode mal ansehen. Ich versinke derweil in einer Welle der Nostalgie. Wie gut das Winter ist (zumindest laut Kalender und so).

Nach dem Sprung eine subjektive Liste mit Spielen, die man haben muss. Einige davon habe ich schon, nach anderen jage ich noch. Eine gute Datenbank zu Retrospielen findet man bei mobygames.com.

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