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Keine Meinung zu Rostock

3. Juni 2007

Es kam wie es kommen musste und so dominieren Berichte über die Ausschreitungen gestern in Rostock die Medien heute. Das Problem daran ist aber, dass es mir sehr schwer fällt, mir eine konkrete Meinung über die Geschehnisse zu bilden. Zuviel Spin liegt auf den Meldungen.

So streicht der Spiegelfechter zum Beispiel heraus, wie Spiegel Online mit bewusst falschen Übersetzungen den Eindruck erweckt, die Demonstrationsleitung selber hätte den schwarzen Block noch befeuert. Auch die Bilder im Fernsehen zeigen kein ganzheitliches Bild. N-TV zum Beispiel zeigt die meiste Zeit nur den schwarzen Block und brennende Autos. Die Aktionen der Polizei, die zum Teil Wasserwerfer gegen unbeteiligte einsetzte, werden verschwiegen. Gut zu sehen in einigen Videos, die sich inzwischen auf YouTube finden (nach dem Sprung).

Recht ausgewogen ist der Artikel der Zeit zu den Reaktionen auf die Ausschreitungen. Erstaunlich zurückhaltend die Bild.

Angst und Bange wird mir aber, wenn ich betrachte, wie nun der Kampf um die Deutungshoheit beginnt. Dieser spielt sich etwas abseits der Massenmedien in Blogs und Foren ab. Für das rechtsgerichtete Politically Incorrect sind die Ausschreitungen ein gefundenes Fressen für den eigenen Kampf gegen „linke Gutmenschen“. Die Kommentare dort sprechen für sich. Auf der anderen Seite stehen Kommentare wie unter dem Bericht auf dem Politblog. Obwohl die Diskussion recht differenziert geführt wird, mischen sich auch hier alte linke Feindbilder unter. So deutet eben jeder die Geschehnisse so, wie sie in das eigene Weltbild passen. Für die einen ist es immer die Staatsmacht, für die anderen der linke Mob. Hauptsache jeder findet seinen Schuldigen.

Erstaunt haben mich Aussagen der Polizei, dass der Gewaltausbruch in seiner Stärke alles bisher da gewesene in den Schatten stellen würde. Mit Verlaub, das kann ich so nicht glauben. Das Ganze hat gerade mal einen Nachmittag lang angedauert und war danach wieder beendet. Es waren die gleichen Bilder wie bei allen Ausschreitungen der Autonomen. Eben nichts neues. Das sieht man jedes Jahr in Berlin zum 1. Mai, kennt man von den Chaostagen in Hannover oder den Anti-Castor-Transporten. Oder eben auch aus Genua. Da von einer neuen Qualität der Gewalt zu sprechen ist sehr hoch gestochen und bestärkt nur meinen Eindruck, dass hier auch sehr viel Panik verbreitet werden soll und an vielen Stellen nicht die volle Wahrheit gesagt wird. Oder aber, die Polizei war einfach nur nicht richtig vorbereitet.

Traurig sind vor allem die Folgen des Ganzen. Erstens gibt man den Hardliner wieder Futter, unsere Grundrechte, wie eben das Demonstrationsrecht, weiter einzuschränken. So wird Herr Beckstein folgendermaßen zitiert:

Der bayerische Innenminister plädierte für Vorkontrollen im weiteren Umkreis von Protestaktionen, so dass die Demonstranten keine verbotenen Gegenstände mitbringen könnten. Das müssten sich die Teilnehmer nach den Vorkommnissen von Rostock gefallen lassen.

Zweitens, und das ist das Schlimmste von allem, über die Inhalte der Demo ist nirgends etwas zu lesen. Nichts. Gar nichts.

Meine Meinung zu dem ganzen? Ich habe immer noch keine. Ich schüttle nur meinen Kopf. Über die Autonomen, die Polizei, unsere Politiker, die Medien und die politischen Dogmatiker.


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2 Discussion to this post

  1. CycLeR sagt:

    Gandhi ist wohl außer Mode…

  2. […] mehr auseinandergesetzt mit dem Thema hat sich übrigens Marcel. […]

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