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Anathema in der Batschkapp, Frankfurt

20. Juni 2010

„Endlich!“ dachte ich, als wir mit dem Auto vor der Batschkapp in Frankfurt ankamen, um wenige Augenblicke später Anathema zu geniessen. Auf meiner Liste von Bands, die ich unbedingt mal live gesehen haben muss, standen sie über Jahre ganz oben. Bis zum letzten Donnerstag hatte ich nicht viel Glück. Drei Mal hatte ich vorher schon ein Ticket und immer kam etwas dazwischen. Bei meinem ersten Versuch, Anathema zu sehen, das liegt schon um die 10 Jahre zurück, brachte mich sogar ein Autounfall unserer Gruppe auf dem Hinweg von dem Erlebnis ab.

Ausgerechnet an meinem Geburtstag also sollte es soweit sein. Vielleicht war es aber auch ganz gut, dass ich sie erst jetzt gesehen habe. Denn ihre Musik ist über die Jahre zum Soundtrack meines Lebens geworden. Anathema machen traurige, melancholische Musik, in der der Verlust ein Hauptthema ist. Nun habe ich bisher kein trauriges Leben gehabt, und von großen Verlusten wurde ich auch verschont, aber über die Jahren hinweg haben mich Anathemas Songs in allen bisherigen Phasen begleitet und mir auch über die schwierigeren hinweg geholfen. Und so konnte ich das Konzert durch meine Erinnerungen, die mit der Musik verknüpft sind, vielleicht erst richtig geniessen.

Es sollte also nicht verwundern, dass ich nach über zwei Stunden absolut begeistert wieder aus der Batschkapp gegangen bin. Doch nicht nur mir ging es so. Anathema lieferten ein tolles Konzert, hatten einen sehr guten Sound, waren locker und unprätentiös, nichts zu sehen von dem schwermütigen Pathos, den man eigentlich vermuten würde. Sie wurden zurecht von Anfang an vom Publikum gefeiert, bekamen schon in der Mitte der Songs frenetischen Szenenapplaus. Gespielt wurden Lieder von allen Alben seit „Alternative 4“, ich hätte mir auch ältere Songs gewünscht, aber nach so einem Konzert wäre es vermessen, dies der Band anzukreiden. Wichtiger war, dass die Band die Dynamik ihrer Alben und der einzelnen Songs perfekt auf die Bühne transportiert hat. So überzeugend, dass ich bei „Inner Silence“ einen Kloß im Hals hatte.

Traurig allerdings, dass die Batschkapp nicht komplett ausverkauft war. Es war doch noch Platz im Saal. Und das spiegelt leider auch das Schicksal der Band wider, die zumindest für mich die beste unbekannte Band der Welt ist, besser als 98% der Sachen, die jede Woche auf’s Neue auf der Insel in den Himmel gehyped werden. Ich kann jedem nur empfehlen, einmal in eines der Alben reinzuhören. Man sollte vielleicht mit „Judgement“ oder dem neuen Albun „We’re here because we’re here“ anfangen. Es lohnt. Selbst Darius und Monique, die mich unter Androhung schwerste Konsequenzen (wie z.B. nackt durch ihre Wohnung flitzen) begleitet haben, verließen die Batschkapp mit einem Lächeln auf den Lippen.

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3 Discussion to this post

  1. Darius sagt:

    Hey Dicken, hoffe Du bist noch gut und „relaxed“ nach Hause gekommen.
    Danke für das super Konzert, bin immer noch begeistert.

  2. Marcel sagt:

    ja, die rückfahrt war ganz locker. der zug recht leer, ist immer angenehm :)

  3. Andrea sagt:

    ich war auch absolut fasziniert, meinen Konzertbericht kann man lesen unter
    http://www.rocktimes.de/gesamt/a/anathema/frankfurt10.html

    bisher habe ich nur ähnliche Meinungen gehört / gelesen
    unglaublich…

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