Nicht mein Publikum. Nimmermehr.

Menu & Search

Auch das Web ist nur ein Werkzeug

10. März 2009

Dieses Jahr sind in Deutschland zig Wahlen mit der Bundestagswahl als Höhepunkt im Herbst. Angestrengt wird nach Wegen gesucht, die Leute zum Wählen der eigenen Position zu bringen. Da ist es eigentlich ganz natürlich, dass auch über den eigenen Tellerrand geschaut wird, und nach Obamas sehr erfolgreichen Wahlkampf im letzten Jahr war es schon klar, dass die Internetstrategie kopiert werden wird. Jetzt wird so getan, als habe man das Web verstanden, würde es gut und kreativ nutzen, die Menschen damit begeistern. Blöd nur, dass es eben nicht verstanden wurde. Denn was wir statt Innovation etc. erhalten sind einfach die alten Rezepte im neuen Gewand.

Es will einfach niemand verstehen, dass Facebook, Blogs, Twitter und die ganzen anderen großen und kleinen Dienste nichts weiter als Tools sind. Sie sind nichts ohne das menschliche Zutun. Ohne passenden Inhalt sind sie wertlos. Zumal sich die Inhalte nicht verändert haben. Obama transportierte über die verschiedenen Kanäle eine Vision und sprach die Menschen über die verschiedenen Kanäle im Netz direkt damit an. Angepasst an das Publikum. Deutsche Parteien jedoch schreiben in ihre Blogs Artikel, die in ihrer Sprache auch in die offizielle Parteipublikation wandern könnten. Facebookprofile sind meist nicht mehr als Platzhalter. Deutsche Parteien übertragen ihre „alten“ Inhalte nur auf ein neues Medium. Und erwarten jetzt, dass die netzaffinen Menschen das einfach so schlucken. Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich damit irgendein messbarer Erfolg einstellen wird.

Das ganze erinnert stark an den Web2.0 Hype in der Medienindustrie vor ein paar Jahren, in der jedes Medienhaus auf einmal was mit Blogs machen wollte. Bei den meisten ist es bei „etwas mit Blogs“ geblieben. So wird das auch in der deutschen Politik bleiben. Bis die Generation der Internetausdrucker in den wichtigen Positionen von Menschen abgelöst wird, die das Internet endlich als begreifen, was es ist: mehr Werkzeug, viel weniger Heilsbringer.

Article Tags
Related article
Winter Market

Winter Market

<Instagram>

Sorgen

Wie kann man Sorgen ernst nehmen, wenn diese Sorgen im…

Linksruck

Linksruck ist, wenn ein einziger linker Ministerpräsident vereidigt wird, während…

Discussion about this post

  1. Britta Stahl sagt:

    Meiner Ansicht nach hatte Obama einzigartige Berater und Insider in der Internetszene, sonst hätte wohl kaum so eine zielgerichtete Kampagne gestartet werden können. Ich brauche wohl nicht hinzuzufügen, dass eine solche Kampagne mit erheblichen Kosten verbunden ist, die in Deutschland wohl keine Partei auszugeben bereit ist.
    Die Hauptwählerschaft in Deutschland hat sicherlich auch das Medium Internet noch nicht komplett erschlossen – daher kommt in diesem „Superwahljahr“ das Internet noch nicht so zum tragen wie in Amerika.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Type your search keyword, and press enter to search