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Killerspielrhetoriker reden Mist, die Industrie aber auch

Ich war schon einigermaßen erstaunt, als der Europa-Chef von Electronic Arts im Vorfeld der Gamescom in Köln das Wort ergriff und stark gegen das System der USK anredete. Ich laß die Überschriften und war baff. Als ich dann aber den Inhalt der Brandrede durch ging, fror mir das Gesicht ein. Er gibt der USK die Schuld, dass einige Spiele in Deutschland nicht erscheinen, hält das System der USK für Zensur und ist für die Einführung von PEGI in Deutschland.

Und damit läuft er den Killerspielschreiern ins offene Messer. Deren Argumentation geht ja meist in die Richtung, dass Hersteller von Erwachsenenspielen mit Drogendealern gleichzusetzen sind, dass Profite auf dem Rücken der Kinderseelen vermehrt werden sollen, dass Spielehersteller beim Jugendschutz nur Lobbyismus in eigener Sache machen wollen. Diese Argumente sind meistens natürlich absoluter Quatsch, aber hier könnte ich noch nicht einmal widersprechen.

Denn natürlich hat Herr Florin absolut unrecht. Die USK ist eben nicht schuld, wenn Spiele in Deutschland wegen fehlender Alterskennzeichnung nicht erscheinen. Sie könnten es nämlich auch ohne. Aber da einer fehlenden Kennzeichnung meist auch die Indizierung durch die BPjM folgt, dürfen diese Spiele dann nicht beworben bzw. aktiv vermarktet werden, auch Presseberichte darüber sind stark eingeschränkt. Allerdings liegt es ganz beim Publisher, ob das Spiel trotzdem in Deutschland herauskommt oder eben nicht. Oftmals ist es gar so, dass die Publisher die Spiele wegen absehbar fehlender Alterskennzeichung gar nicht erst der USK vorlegen. So zum Beispiel bei Gears of War 1 und 2 geschehen.

Das System der USK ist deshalb auch keine Zensur. Die USK verbietet keine Spiele, sie bewertet sie nur. Warum also will der Herr Florin also die USK abschaffen und durch die PEGI ersetzen? Es gibt zwei Gründe. Zum einen ist die PEGI eine komplett private Veranstaltung. Die Spielehersteller bewerten ihre Spiele quasi selber. Ohne dass der Staat dort ein Wort mitzureden hat. Herr Florin will damit mehr oder weniger den Jugendschutz aus den Händen des Staates entreißen. Eine Vorstellung, die mir, trotz aller Kritik an dem zu sehr schützenden Staat, Kopfschmerzen bereitet.

Der zweite Grund ist simpel: Geld. PEGI ist im Rest von Europa der Quasistandard. Nur Deutschland sperrt sich da noch und erkennt nur die Wertungen der USK an. Daher müssen Spielehersteller öfters für unser Land spezielle Versionen herstellen. Das kostet Geld, dass man sich gerne sparen würde. Auch müsste man das Spiel nur einmal bewerten lassen, und nicht mindestens zwei Mal, wie bisher.

Herr Florin hat also sehr effizient Öl ins Feuer der Spielekritiker gegossen und man kann nur hoffen, dass daraus nicht wieder ein Flächenbrand wird. Allgemein sind seine Ausführungen eher kontraproduktiv für die Diskussion um Spiele. Viel wertvoller wäre es, den Fokus endlich mal auf die Anerkennung von Spielen als Kulturgut zu legen. Das würde Probleme wie das Verbot von bestimmten Symbolen und Inhalten in Spielen elegant umschiffen. Ich kann immer noch nicht verstehen, warum ich Wolfenstein keine Hakenkreuze sehen darf, in Inglorious Bastards schon.

Auch ein weiteres Problem würde seine Forderung, PEGI als Standard durchzusetzen bringen: eine wiedererstarkte BPjM, denn es ist im Moment die USK, die uns davor schützt, dass die BPjM allzu restriktiv gehen Spieleinhalte vorgeht. zurück in die Zeit vor der USK? Das möchte ich nicht wieder sehen.

Ein PR Coup der keiner ist

Man nehme eine Tragödie und man kann die Uhr danach stellen, dass einige Gesellschaftsgruppen ihr widerliches Gesicht zeigen. Die Presse dieser Tage etwa, wie Stefan hier und an anderer Stelle anschaulich darlegt.

Der Amoklauf in Winnenden treibt aber besondere Blüten. Heute hat Kaufhof angekündigt, alle Medien, die laut FSK und USK ab 18 gekennzeichnet sind, aus den Regalen zu nehmen. Wegen Winnenden. Alles klar?! Chris weißt richtigerweise daraufhin, wie heuchlerisch die Ankündigung ist, wenn andere Unternehmen der Gruppe wie Media Markt und Saturn weiterhin auch 18+ Titel verkaufen. Verkauft Kaufhof in einigen Filialen nicht auch Spirituosen, also Getränke, die erst ab 18 zu haben sein dürfen? Werden die Flaschen nun auch ausgeräumt? Aber ich bin nicht seiner Meinung, dass es sich hier um einen PR-Coup handelt.

Ich glaube vielmehr, dass dies das Eingeständnis von Galeria Kaufhof ist, dass die eigenen Mitarbeiter einfach zu blöd oder zu faul sind, auf die inzwischen übergroßen Sticker auf den Verpackungen zu achten und dementsprechend nach Ausweisen zu fragen. Denn der Einzelhandel ist im allgemeinen das schwächste Glied bei der Durchsetzung des Jugendschutzes. Da können USK/ FSK noch so genau prüfen, die Gesetze noch so strikt sein, wenn beim Kauf am Ende doch nicht auf das Alter des Käufers geachtet wird.

Warum soll ich mich erklären?

Neben den üblichen reflexhaft oberflächlichen geäusserten Forderungen nach stärkerem Jugendschutz und Verboten von Videospielen, kommt nach Amokläufen an Schulen gerne auch zu einer Art Kulturpessimismus, in dem beweint wird, dass sich lieber “Gewaltorgien” zugewandt wird, anstatt sich höheren kulturellen Genüssen zu ergeben. Dabei stellt sich auch gerne die Frage, warum es solche Spiele denn geben muss. Wie heute auch Don Alphonso, der mit diesem Eintrag wahrscheinlich endgültig bei der FAZ angekommen ist. Ich habe mich dazu überwunden, dort auch einen Kommentar zu hinterlassen und habe auf die Frage, warum ich die Spiele mag, nur kurz geantwortet, dass sie Spaß machen, und eine längere Beantwortung offen gelassen.

Jetzt überlegte ich, ob ich dies nicht mal nutzen sollte, hier darüber zu reflektieren, was mich an Shootern im speziellen so fasziniert. Ich stand dabei allerdings vor dem Problem, wie mich erkläre und dabei die Erkenntnislücke der “hochkulturellen” Elite überwinde, die aus dem Unvermögen besteht, zu erkennen, dass Spiele mehr als nur ihre Ästhetik sind. Auch kam mir in den Sinn, dass ich mich mit Erklärungsversuchen in eine defensive Position bringe, die ich weder verdient noch nötig habe. Das Ergebnis ist also, dass jedwede Aussage dazu fruchtlos ist. Die Zeit ist auf meiner Seite.

Quake Live wird Open Beta

Noch zwei Mal schlafen, dann ist Quake Live für jeden verfügbar. Denn das Spiel geht in die offene Betaphase und kann von jedermann gespielt werden. Es soll ja tatsächlich noch Leute geben, die nicht wissen, was Quake Live ist, also fasse ich es mal in einem Satz zusammen: Quake 3 “im Browser”.

Die Basis bildet die Webseite QuakeLive.com, auf der man Server zu daddeln findet, das Matchmaking-System nutzen kann oder über die Freundesliste mit anderen Spielern chatten. Sie ersetzt das, was zu den Hochzeiten von Quake 3 der Serverbrowser war. Um das Spiel zu spielen muss man den Client von ca. 3MB herunterladen und installieren. Danach kann man durch Klick auf einen Server in jedes Spiel einsteigen, von früher bekannte Spieltypen wie Clanarena, Duel, CTF und TDM sind bereits integriert. Das alles funktioniert jetzt schon tadellos, nur manchmal kann es noch zu Lagspikes kommen. Aber deswegen ist ja auch noch Beta.

Und das Spiel selber ist immer noch so genial wie vor 10 Jahren. Für mich ist es immer noch der beste Onlineshooter aller Zeiten. Nichts kommt an diese perfekte Balance, das federleichte Spielgefühl und das fliessende Movement heran. Auch heute noch kann ich stundenlang auf DM6 herumhüpfen, ohne dass Langeweile aufkommt. Quake 3 ist zeitlos, Quake Live fasst es nur in einen moderneren Rahmen. Bis auf einige Änderungen an der Waffenbalance hat sich nichts geändert, die Grafik ist auch nach 10 Jahren alles andere als hässlich – picmip 5 hat seinen eigenen Charme. Drückt man einmal alt + enter ist auch vom Browser nichts mehr zu sehen.

Am Mittwoch also ab auf QuakeLive.com, Account erstellen und Spaß haben. Das ganze ist und bleibt kostenlos, durch absolut nicht störende Werbung finanziert.

Die Sucht meldet sich wieder

Es ist jetzt 10 Jahre her, dass ich Quake 3 verfallen bin. Richtig verfallen. Acht Stunden pro Tag vor dem Spiel waren keine Seltenheit, alles andere war unwichtig für mich. Quake 3 ist auch der Grund für mein eher bescheidenes Abi. Ach nein, nicht das Spiel war schuld, meine fehlende Selbstkontrolle war es.

Das ist dann auch der Unterschied zu heute. Seit einigen Tagen habe ich endlich Zugang zur geschlossenen Beta von Quake Live, dem Remake von Quake 3 als Browsergame. Viel hat sich nicht geändert, nur dass das Spiel jetzt halt aus dem Browser gestartet wird. Es fühlt sich gut an. Die Rail surrt in dem geliebten, monotonen Rhythmus, Befehle wie r_picmip sorgen für den gewohnt spartanischen Look. Alles gut. Und besser unter Kontrolle habe ich mich auch. Bisher zumindest.

Es muss nicht immer das Neueste sein

Es hat lange gedauert, aber ich glaube, ich habe endlich dazugelernt. Es ist gar nicht so lange her, da musste ich immer das neueste, beste Spiel haben. Nur mit der Flut der letzten beiden Jahre, in denen so viele Spiele rauskamen, dass man 5 Jahre daran zu spielen hätte, und dem unerträglichen Hype um jedes mittelmässige Spiel, konnte ich dem ganzen nicht mehr folgen. Und wollte es auch nicht mehr.

Es gab einfach zu viele Enttäuschungen darunter. Zuletzt Warhammer Online. Auch macht es nicht viel Sinn, sich sofort auf ein neues Spiel zu stürzen, und dann vor lauter unbeendeten Spielen nicht zu wissen, wo man denn nun weiter macht. Und am Ende beende ich nur die wenigsten. Rausgeworfenes Geld. Also habe ich mir eine Regel gesetzt: Ein Spiel nach dem anderen. Ich fahre ganz gut damit, denn meist sind die Spiele, wenn ich sie mir dann kaufe, schon eine Weile draußen und oft auch ein ganzes Stück günstiger. Fallout 3 wird in ein paar Monaten bestimmt immer noch gut sein. Es lohnt sich auch immer mal, einen Blick etwas weiter zurück zu werfen. Im Moment spiele ich Final Fantasy XII, ein PS2 Spiel. Das sieht auf der PS3 noch immer ordentlich aus, spielt sch prima und hat mich gerade mal 6 Euro gekostet.

Manchmal, nur manchmal, kann das allerdings nach hinten losgehen. Bis heute bin ich nicht dazu gekommen, mir ICO und Shadow of the Colossus zu besorgen. Auch beides PS2 Titel und beide kosten für ihr Alter enorm viel. ICO findet man nur noch auf eBay und Shadow of the Colossus kostet stattliche 60 Euro. Das wird sich wohl nicht so schnell ändern. Eher im Gegenteil. Naja, vielleicht habe ich auch da mal Glück und komme günstig an beides. Ich kann warten.

Ein Troll namens Pfeiffer

Ja, er wurde wieder gefüttert, der Christian Pfeiffer. Irgendwie habe ich das Gefühl, seine Aussagen werden immer deftiger. Zwischen den Zeilen wirft er Grand Theft Auto 4 sogar vor, antisemitische Zwischentöne zu haben. Dazu kommen die üblichen Zutaten eines Pfeiffer-Interviews: krasse Verallgemeinerungen, Verschwörungstheorien, nicht überprüfbare Zahlen, zitierte Statistiken, deren Gehalt wegen fehlender Quellenangabe nicht gegengeprüft werden kann. Der übliche Giftcocktail halt.

Das schönste an den vier Seiten ist eigentlich, dass er an dem Kölner Pamphlet kritisiert, dass die Eltern zu wenig in die Pflicht genommen wurde, Pfeiffer in seinem eigenen Sermon keinen Platz dafür findet. Aber andererseits, wie kann man nur an die Eltern herantreten, wenn ihr Dritt- und Viertklässler Spiele für Erwachsene spielen? Kennt man ja, in der Wirtschaft will im Moment auch keiner die Verantwortung übernehmen, nicht Frau Schäffler?