Retrogaming mit dem SNES

Super Nintendo Entertainment System. Keine anderen 4 Worte beschreiben die Zeit zwischen meinem 10. und 15. Lebensjahr besser. Vorher hatte ich zwar schon einen Gameboy, aber richtig angefixt hat mich erst das SNES und für immer für die Verführungen von Videospielen empfänglich gemacht. Von einigen Spielen schwärme ich noch heute. Die rosarote Brille hat aber nichts damit zu tun.

Tatsächlich sind Spiele aus der 16Bit-Ära im Gegensatz zu nachfolgenden Generationen gut gealtert und spielbar. Im Netz sind verschiedene Emulatoren zu finden, mit denen die Grafik und der Sound zum Teil sogar noch aufgewertet werden. Unter OSX kann ich Snes9X sehr empfehlen, unter Windows ZSNES. Emulatoren haben aber leider den Hasenfuß, dass man sich mit den Spiele-ROMs in einer rechtlich grau-schwarz-schwarzen Zone befindet.

Auch ich habe mich damit beholfen, hatte aber immer den Wunsch, mir wieder eine richtige Konsole zu besorgen. Wie es der Zufall so will, landete ein gut erhaltenes Modell zu Weihnachten auf meinem Gabentisch. Aber man muss gar nicht mal die Liebsten hoffen. Tatsächlich lassen sich die Konsolen relativ günstig finden. Je nach Ausstattung (Controller, Kabel etc.) kann man sie bei einem lokalen A&V, spezialisierten Gamingshops oder aber auf ebay für 30 – 70 Euro erstehen. Dabei sollte man sich nicht von etwaigen Verfärbungen der Plastikhülle abschrecken lassen, das ist normal und der verwendeten Kunststoffmischung geschuldet. Ein größeres Problem sind aber die Controller,  deren Tasten mit der Zeit einfach nachlassen. Online kann man nur vertrauen, im Laden unbedingt vorher ausprobieren. Allerdings: wenn man nicht unbedingt Originalcontroller braucht, tun es die diversen Dritthersteller auch.

Spiele bekommt man grundsätzlich über die gleichen Wege. Sorgen über den Zustand muss man sich jedoch nie machen. Die Cartridges sind mehr oder weniger unkaputtbar, die einzige Angriffsfläche bieten die Kontakte zur Konsole hin. Durchpusten oder die Reinigung mit etwas Alkohol helfen jedoch immer. Problematisch sind wenn überhaupt die verbauten Batterien, die das Modul mit Strom versorgen, um Speicherstände zu erhalten. Diese geben irgendwann einfach ihren Geist auf. Lösung ist hier der Austausch der Knopfzelle, Anleitungen sind mannigfaltig zu finden. Spezialisierte Läden, wie das RETRO Games in der Eisenbahnstrasse, übernehmen das bestimmt auch gerne.

Beim Kauf der Spiele sollte man wiederum nicht allzu blauäugig sein. Nur weil der eBay-Verkäufer meint, die Aussage “Selten” mit 5 Ausrufezeichen zu versehen, muss dem noch lange nicht so sein. Grundsätzlich gilt, dass sich alle Mario und Donkey Kong Country Teile vor 15-20 Jahren so gut verkauft haben, dass sie noch sehr oft und einfach zu bekommen sind. Gleiches gilt auch für Secret of Mana, dass trotzdem teilweise Mondpreise erzielt. Wie immer gilt, dass sich etwas Geduld auszahlt, denn irgendwann wird sich das gewünschte Spiel mal in einer Privatauktion finden lassen, wo man es dann teilweise deutlich günstiger bekommt, als bei den spezialisierten eBay-Händlern. Kann man auf Verpackungen und Anleitungen verzichten, sollte man mit ein paar Ausnahmen (Mega Man, Castlevania: Vampires Kiss und ein paar andere) jedes regulär in Deutschland erschienene Spiel für 5 bis 15 Euro erwerben können. Muss das Spiel nicht auf Deutsch sein, sind die Amazon-UK Marketplaces einen Blick wert.

Schwierigere, und damit auch teurere, Fälle sind Titel, die in Deutschland indiziert waren oder aber erst gar nicht erschienen sind. Indizierte Titel sind bei eBay Deutschland grundsätzlich nicht zu haben (wenn, dann nur mit viel Glück, wenn die eBay Kontrolle versagt hat). Hier lohnt sich ein Blick entweder auf die internationalen eBay-Seiten oder aber auf die Amazon.Co.Uk Marketplaces. Hier gibt es immer wieder Anbieter, die auch nach Deutschland versenden. Und die Preise sind human. Mortal Kombat II hat mich dort nur 14€ gekostet. Einige der größten Klassiker für das SNES haben niemals den Sprung nach Europa geschafft. Darunter Final Fantasy 5 & 6 (in den USA Final Fantasy 2 & 3) und Chrono Trigger. Diese bekommt man nur als US-Version und braucht dafür entweder einen Adapter oder ein umgebautes SNES, um sie hier spielen zu können. Die Preise sind auch dementsprechend hoch. Final Fantasy 6 habe ich mit etwas Glück für 40€ schiessen können, höhere Preise sind durchaus normal. Auch hier lohnt sich aber immer ein Blick auf ausländische Seiten, die oftmals selbst mit Versandkosten günstiger sind, als Angebote von deutschen Händlern. Und dann gibt es ja auch noch die Spiele, die es nur in Japan gab. Der Nachfolger von Secret of Mana zum Beispiel. Wer des Japanischen mächtig ist (oder ein Hardcoresammler), kann auf eBay gerne sein Glück versuchen. Ich bleibe da dann doch lieber bei ROMs mit Fanübersetzungen.

Überhaupt: Regionalsperren. Schon damals war es so, dass sich US oder japanische Spiele nicht auf europäischen Konsolen spielen ließen. Dies lag zum einen an der verwendeten TV-Technik (EU: PAL, US: NTSC, Japan: NTSC), zum anderen an unterschiedlichen Bauformen. Um dies zu umgehen, braucht man entweder Adapter, die zwischen Spiel und Konsole gesteckt werden, oder aber man baut bzw. lässt seine Konsole umbauen. Möglich ist dies zum Beispiel bei Wolfsoft.

Das beste Spielerlebnis hat man mit einem Röhrenfernseher. Aufgrund der Tatsache, dass moderne LCD/ LED Fernseher eine Mindestauflösung haben, werden die Bilder des SNES hochskaliert und sehen deshalb immer etwas arg pixelig aus. Wer noch etwas Platz dafür hat, sollte es sich gönnen. In der eigenen Bekanntschaft kann man bestimmt immer ein günstiges Gerät erwerben.

Zu guter Letzt ein Tipp. Wer sich den Aufwand mit einer eigenen Konsole sparen und trotzdem Originalspiele mit Controller spielen will, sollte sich die Retrode mal ansehen. Ich versinke derweil in einer Welle der Nostalgie. Wie gut das Winter ist (zumindest laut Kalender und so).

Nach dem Sprung eine subjektive Liste mit Spielen, die man haben muss. Einige davon habe ich schon, nach anderen jage ich noch. Eine gute Datenbank zu Retrospielen findet man bei mobygames.com.

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Killerspielrhetoriker reden Mist, die Industrie aber auch

Ich war schon einigermaßen erstaunt, als der Europa-Chef von Electronic Arts im Vorfeld der Gamescom in Köln das Wort ergriff und stark gegen das System der USK anredete. Ich laß die Überschriften und war baff. Als ich dann aber den Inhalt der Brandrede durch ging, fror mir das Gesicht ein. Er gibt der USK die Schuld, dass einige Spiele in Deutschland nicht erscheinen, hält das System der USK für Zensur und ist für die Einführung von PEGI in Deutschland.

Und damit läuft er den Killerspielschreiern ins offene Messer. Deren Argumentation geht ja meist in die Richtung, dass Hersteller von Erwachsenenspielen mit Drogendealern gleichzusetzen sind, dass Profite auf dem Rücken der Kinderseelen vermehrt werden sollen, dass Spielehersteller beim Jugendschutz nur Lobbyismus in eigener Sache machen wollen. Diese Argumente sind meistens natürlich absoluter Quatsch, aber hier könnte ich noch nicht einmal widersprechen.

Denn natürlich hat Herr Florin absolut unrecht. Die USK ist eben nicht schuld, wenn Spiele in Deutschland wegen fehlender Alterskennzeichnung nicht erscheinen. Sie könnten es nämlich auch ohne. Aber da einer fehlenden Kennzeichnung meist auch die Indizierung durch die BPjM folgt, dürfen diese Spiele dann nicht beworben bzw. aktiv vermarktet werden, auch Presseberichte darüber sind stark eingeschränkt. Allerdings liegt es ganz beim Publisher, ob das Spiel trotzdem in Deutschland herauskommt oder eben nicht. Oftmals ist es gar so, dass die Publisher die Spiele wegen absehbar fehlender Alterskennzeichung gar nicht erst der USK vorlegen. So zum Beispiel bei Gears of War 1 und 2 geschehen.

Das System der USK ist deshalb auch keine Zensur. Die USK verbietet keine Spiele, sie bewertet sie nur. Warum also will der Herr Florin also die USK abschaffen und durch die PEGI ersetzen? Es gibt zwei Gründe. Zum einen ist die PEGI eine komplett private Veranstaltung. Die Spielehersteller bewerten ihre Spiele quasi selber. Ohne dass der Staat dort ein Wort mitzureden hat. Herr Florin will damit mehr oder weniger den Jugendschutz aus den Händen des Staates entreißen. Eine Vorstellung, die mir, trotz aller Kritik an dem zu sehr schützenden Staat, Kopfschmerzen bereitet.

Der zweite Grund ist simpel: Geld. PEGI ist im Rest von Europa der Quasistandard. Nur Deutschland sperrt sich da noch und erkennt nur die Wertungen der USK an. Daher müssen Spielehersteller öfters für unser Land spezielle Versionen herstellen. Das kostet Geld, dass man sich gerne sparen würde. Auch müsste man das Spiel nur einmal bewerten lassen, und nicht mindestens zwei Mal, wie bisher.

Herr Florin hat also sehr effizient Öl ins Feuer der Spielekritiker gegossen und man kann nur hoffen, dass daraus nicht wieder ein Flächenbrand wird. Allgemein sind seine Ausführungen eher kontraproduktiv für die Diskussion um Spiele. Viel wertvoller wäre es, den Fokus endlich mal auf die Anerkennung von Spielen als Kulturgut zu legen. Das würde Probleme wie das Verbot von bestimmten Symbolen und Inhalten in Spielen elegant umschiffen. Ich kann immer noch nicht verstehen, warum ich Wolfenstein keine Hakenkreuze sehen darf, in Inglorious Bastards schon.

Auch ein weiteres Problem würde seine Forderung, PEGI als Standard durchzusetzen bringen: eine wiedererstarkte BPjM, denn es ist im Moment die USK, die uns davor schützt, dass die BPjM allzu restriktiv gehen Spieleinhalte vorgeht. zurück in die Zeit vor der USK? Das möchte ich nicht wieder sehen.

Ein PR Coup der keiner ist

Man nehme eine Tragödie und man kann die Uhr danach stellen, dass einige Gesellschaftsgruppen ihr widerliches Gesicht zeigen. Die Presse dieser Tage etwa, wie Stefan hier und an anderer Stelle anschaulich darlegt.

Der Amoklauf in Winnenden treibt aber besondere Blüten. Heute hat Kaufhof angekündigt, alle Medien, die laut FSK und USK ab 18 gekennzeichnet sind, aus den Regalen zu nehmen. Wegen Winnenden. Alles klar?! Chris weißt richtigerweise daraufhin, wie heuchlerisch die Ankündigung ist, wenn andere Unternehmen der Gruppe wie Media Markt und Saturn weiterhin auch 18+ Titel verkaufen. Verkauft Kaufhof in einigen Filialen nicht auch Spirituosen, also Getränke, die erst ab 18 zu haben sein dürfen? Werden die Flaschen nun auch ausgeräumt? Aber ich bin nicht seiner Meinung, dass es sich hier um einen PR-Coup handelt.

Ich glaube vielmehr, dass dies das Eingeständnis von Galeria Kaufhof ist, dass die eigenen Mitarbeiter einfach zu blöd oder zu faul sind, auf die inzwischen übergroßen Sticker auf den Verpackungen zu achten und dementsprechend nach Ausweisen zu fragen. Denn der Einzelhandel ist im allgemeinen das schwächste Glied bei der Durchsetzung des Jugendschutzes. Da können USK/ FSK noch so genau prüfen, die Gesetze noch so strikt sein, wenn beim Kauf am Ende doch nicht auf das Alter des Käufers geachtet wird.

Warum soll ich mich erklären?

Neben den üblichen reflexhaft oberflächlichen geäusserten Forderungen nach stärkerem Jugendschutz und Verboten von Videospielen, kommt nach Amokläufen an Schulen gerne auch zu einer Art Kulturpessimismus, in dem beweint wird, dass sich lieber “Gewaltorgien” zugewandt wird, anstatt sich höheren kulturellen Genüssen zu ergeben. Dabei stellt sich auch gerne die Frage, warum es solche Spiele denn geben muss. Wie heute auch Don Alphonso, der mit diesem Eintrag wahrscheinlich endgültig bei der FAZ angekommen ist. Ich habe mich dazu überwunden, dort auch einen Kommentar zu hinterlassen und habe auf die Frage, warum ich die Spiele mag, nur kurz geantwortet, dass sie Spaß machen, und eine längere Beantwortung offen gelassen.

Jetzt überlegte ich, ob ich dies nicht mal nutzen sollte, hier darüber zu reflektieren, was mich an Shootern im speziellen so fasziniert. Ich stand dabei allerdings vor dem Problem, wie mich erkläre und dabei die Erkenntnislücke der “hochkulturellen” Elite überwinde, die aus dem Unvermögen besteht, zu erkennen, dass Spiele mehr als nur ihre Ästhetik sind. Auch kam mir in den Sinn, dass ich mich mit Erklärungsversuchen in eine defensive Position bringe, die ich weder verdient noch nötig habe. Das Ergebnis ist also, dass jedwede Aussage dazu fruchtlos ist. Die Zeit ist auf meiner Seite.

Quake Live wird Open Beta

Noch zwei Mal schlafen, dann ist Quake Live für jeden verfügbar. Denn das Spiel geht in die offene Betaphase und kann von jedermann gespielt werden. Es soll ja tatsächlich noch Leute geben, die nicht wissen, was Quake Live ist, also fasse ich es mal in einem Satz zusammen: Quake 3 “im Browser”.

Die Basis bildet die Webseite QuakeLive.com, auf der man Server zu daddeln findet, das Matchmaking-System nutzen kann oder über die Freundesliste mit anderen Spielern chatten. Sie ersetzt das, was zu den Hochzeiten von Quake 3 der Serverbrowser war. Um das Spiel zu spielen muss man den Client von ca. 3MB herunterladen und installieren. Danach kann man durch Klick auf einen Server in jedes Spiel einsteigen, von früher bekannte Spieltypen wie Clanarena, Duel, CTF und TDM sind bereits integriert. Das alles funktioniert jetzt schon tadellos, nur manchmal kann es noch zu Lagspikes kommen. Aber deswegen ist ja auch noch Beta.

Und das Spiel selber ist immer noch so genial wie vor 10 Jahren. Für mich ist es immer noch der beste Onlineshooter aller Zeiten. Nichts kommt an diese perfekte Balance, das federleichte Spielgefühl und das fliessende Movement heran. Auch heute noch kann ich stundenlang auf DM6 herumhüpfen, ohne dass Langeweile aufkommt. Quake 3 ist zeitlos, Quake Live fasst es nur in einen moderneren Rahmen. Bis auf einige Änderungen an der Waffenbalance hat sich nichts geändert, die Grafik ist auch nach 10 Jahren alles andere als hässlich – picmip 5 hat seinen eigenen Charme. Drückt man einmal alt + enter ist auch vom Browser nichts mehr zu sehen.

Am Mittwoch also ab auf QuakeLive.com, Account erstellen und Spaß haben. Das ganze ist und bleibt kostenlos, durch absolut nicht störende Werbung finanziert.