Warum soll ich mich erklären?

Neben den üblichen reflexhaft oberflächlichen geäusserten Forderungen nach stärkerem Jugendschutz und Verboten von Videospielen, kommt nach Amokläufen an Schulen gerne auch zu einer Art Kulturpessimismus, in dem beweint wird, dass sich lieber “Gewaltorgien” zugewandt wird, anstatt sich höheren kulturellen Genüssen zu ergeben. Dabei stellt sich auch gerne die Frage, warum es solche Spiele denn geben muss. Wie heute auch Don Alphonso, der mit diesem Eintrag wahrscheinlich endgültig bei der FAZ angekommen ist. Ich habe mich dazu überwunden, dort auch einen Kommentar zu hinterlassen und habe auf die Frage, warum ich die Spiele mag, nur kurz geantwortet, dass sie Spaß machen, und eine längere Beantwortung offen gelassen.

Jetzt überlegte ich, ob ich dies nicht mal nutzen sollte, hier darüber zu reflektieren, was mich an Shootern im speziellen so fasziniert. Ich stand dabei allerdings vor dem Problem, wie mich erkläre und dabei die Erkenntnislücke der “hochkulturellen” Elite überwinde, die aus dem Unvermögen besteht, zu erkennen, dass Spiele mehr als nur ihre Ästhetik sind. Auch kam mir in den Sinn, dass ich mich mit Erklärungsversuchen in eine defensive Position bringe, die ich weder verdient noch nötig habe. Das Ergebnis ist also, dass jedwede Aussage dazu fruchtlos ist. Die Zeit ist auf meiner Seite.

Quake Live wird Open Beta

Noch zwei Mal schlafen, dann ist Quake Live für jeden verfügbar. Denn das Spiel geht in die offene Betaphase und kann von jedermann gespielt werden. Es soll ja tatsächlich noch Leute geben, die nicht wissen, was Quake Live ist, also fasse ich es mal in einem Satz zusammen: Quake 3 “im Browser”.

Die Basis bildet die Webseite QuakeLive.com, auf der man Server zu daddeln findet, das Matchmaking-System nutzen kann oder über die Freundesliste mit anderen Spielern chatten. Sie ersetzt das, was zu den Hochzeiten von Quake 3 der Serverbrowser war. Um das Spiel zu spielen muss man den Client von ca. 3MB herunterladen und installieren. Danach kann man durch Klick auf einen Server in jedes Spiel einsteigen, von früher bekannte Spieltypen wie Clanarena, Duel, CTF und TDM sind bereits integriert. Das alles funktioniert jetzt schon tadellos, nur manchmal kann es noch zu Lagspikes kommen. Aber deswegen ist ja auch noch Beta.

Und das Spiel selber ist immer noch so genial wie vor 10 Jahren. Für mich ist es immer noch der beste Onlineshooter aller Zeiten. Nichts kommt an diese perfekte Balance, das federleichte Spielgefühl und das fliessende Movement heran. Auch heute noch kann ich stundenlang auf DM6 herumhüpfen, ohne dass Langeweile aufkommt. Quake 3 ist zeitlos, Quake Live fasst es nur in einen moderneren Rahmen. Bis auf einige Änderungen an der Waffenbalance hat sich nichts geändert, die Grafik ist auch nach 10 Jahren alles andere als hässlich – picmip 5 hat seinen eigenen Charme. Drückt man einmal alt + enter ist auch vom Browser nichts mehr zu sehen.

Am Mittwoch also ab auf QuakeLive.com, Account erstellen und Spaß haben. Das ganze ist und bleibt kostenlos, durch absolut nicht störende Werbung finanziert.

Die Sucht meldet sich wieder

Es ist jetzt 10 Jahre her, dass ich Quake 3 verfallen bin. Richtig verfallen. Acht Stunden pro Tag vor dem Spiel waren keine Seltenheit, alles andere war unwichtig für mich. Quake 3 ist auch der Grund für mein eher bescheidenes Abi. Ach nein, nicht das Spiel war schuld, meine fehlende Selbstkontrolle war es.

Das ist dann auch der Unterschied zu heute. Seit einigen Tagen habe ich endlich Zugang zur geschlossenen Beta von Quake Live, dem Remake von Quake 3 als Browsergame. Viel hat sich nicht geändert, nur dass das Spiel jetzt halt aus dem Browser gestartet wird. Es fühlt sich gut an. Die Rail surrt in dem geliebten, monotonen Rhythmus, Befehle wie r_picmip sorgen für den gewohnt spartanischen Look. Alles gut. Und besser unter Kontrolle habe ich mich auch. Bisher zumindest.