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Clash of the Cultures

28. August 2007

Es muss mit der „überraschenden“ Wiederentdeckung rechter Gesinnung in Deutschland zu tun haben. Anders kann ich mir die Aufregung um die rechten Videos auf YouTube, die durch einen Bericht des Report Mainz hochkocht, nicht erklären. Vielleicht hat es aber auch mir der irrsinnigen Annahme deutscher Behörden zu tun, dass man das Internet kontrollieren könne. Auf jeden Fall ist das Geschrei nun groß, weil auf YouTube Videos so dummer Gruppen wie Landser zu finden sind. Und YouTube kaum bis gar nicht reagiert.

Die Videos sind natürlich ekelhaft, wie die gesamte Gesinnung. Aber vor allem YouTube ist ein Ausdruck dessen, was das Internet ist: Frei und voller Ideen, auch wenn sie noch so abstossend sind. Außerdem ist der Videodienst ein gutes Beispiel für die amerikanische Interpretation der Meinungsfreiheit: Solange in den Videos keine nackten Titten zu sehen sind, ist alles okay. Das ist vor allem für uns Deutsche befremdlich, da bei uns die Meinungsfreiheit zwar ein Grundrecht, diese aber eingeschränkt ist. Und so prallen da jetzt zwei vollkommen unterschiedliche Philosophien aufeinander. Es wird spannend zu sehen sein, wie sich dies entwickelt.

Aber anstatt sich dieses interessanten Themas anzunehmen, kommen nur wieder die ewig gleichen plakativen Verteufelungen. Beispiel:

Der Politikwissenschaftler Hajo Funke von der Freien Universität Berlin sagte dem Magazin: „Dass YouTube frei Nazi-Propaganda offeriert und Jugendliche das zu Hunderttausenden anklicken, ist ein Verbrechen an der Jugend.“

YouTube versündige sich an den eigenen Regeln und an den Kernelementen der Demokratie. Solche Texte seien eine indirekte Aufforderung zum Mord.

Ich finde nicht, dass solche Videos ein Verbrechen an der Jugend sind. Wenn überhaupt sind sie ein Verbrechen an der menschlichen Intelligenz. Gut unterrichtete Jugend wird solche Videos verkraften können. Verkraften müssen. Genauso wie eine Demokratie. YouTube versündigt sich eben nicht an den eigenen Regeln. Nimmt man den kulturellen Hintergrund der Plattform, dann verteidigt YouTube die Kernelemente der Demokratie. Denn die freie Meinungsäusserung, und sei sie noch so absurd, verhetzend, beleidigend, ist in den USA nunmal das höchste Gut. Wenn man schon von Demokratie reden will, dann muss man eben auch die unangenehmen Seiten akzeptieren.

Insofern hoffe bei allem Ekel sogar, dass YouTube die Videos dort belässt, wo sie sind. Darüber sprechen und nachdenken bringt mehr, als es wegzusperren. Aber das ist schwer zu vermitteln in einem Land, dessen Gerichte schon Probleme mit durchgestrichenen Hakenkreuzen haben.

YouTube/ Google und China steht wieder auf einem anderen Tablett

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Discussion about this post

  1. Marcel sagt:

    na ich denke eher, dass die jugend solche videos verkraften muss. einfach aus dem gedanken heraus, dass man niemanden auf ewig vor allem schmutz in der welt abschirmen kann. in dem zusammenhang finde ich, dass es wichtig ist, den umgang mit so etwas zu lernen. die masse der rechten dummköpfe wird es immer geben. _immer_. ob mit verboten oder ohne.

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