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David Gilmour in München

4. August 2006

Wie bereits erwähnt, war ich letztes Wochenende in [tag]München[/tag]. Am Samstag gab [tag]David Gilmour[/tag] eines seiner zwei Deutschland-Konzerte. Da ich noch nie die Gelegenheit hatte, mir die bayrische Landeshauptstadt etwas länger zu geben, verlängerte ich meinen Aufenthalt und reiste schon am Freitag an. Hier mein Bericht, mit Review vom Konzert.

Wie immer wenn ich eine Reise vorhabe, plane ich alles so genau wie möglich, nur verplane ich meine Planungen immer wieder. Am Freitag wollte ich eigentlich so früh wie möglich auf Arbeit sein, damit ich nicht allzuviele Stunden auf meinem Gleitzeitkonto verliere, da mein Zug schon um kurz nach 14 Uhr ging. Aber weil ich halt nen ziemlicher Schlendrian bin, habe ich direkt mal wieder verschlafen und war nicht wie gedacht um 7 sondern erst um halb 10 inner Firma. Mal wieder klasse, wie ich mir alles toll ausgedacht, aber dann nicht umgesetzt habe. Am Bahnhof kam der Zug Richtung München dann auch pünktlich an und ich stieg in einen superkalten Wagen. Meine Güte, ich war zwar froh über eine Klimaanlage, dass muss trotzdem nicht heißen, dass ich es mag innerhalb von 2 Minuten von 30° auf 15° runtergekühlt zu werden. Aber man ist ja Mann und gibt sich in Achselshirt und kurzer Hose keine Blöße.

Hatte ich erwähnt, dass der Zug pünktlich abfuhr? Das war nämlich das einzige Mal, dass die Bahn an dem Tag ihren Fahrplan einhielt. Schon nach 20 Minuten stoppte der Zug das erste Mal aus irgendwelchen unerfindlichen Gründen. Und das ging die ganze Fahrt so weiter, bis der ICE in München fast 45 Minuten Verspätung hatte. Ich frage mich wie die Bahn das hinbekommt. Von Hamburg bis Leipzig war der Zug überpünktlich, danach baute man Minute um Minute auf. Klar, ich saß ja auch im Zug und fror mir den Arsch ab. Hi @ Murphy.

Vom Münchener Bahnhof führte mich mein Weg direkt zu meinem Hotel. Dies lag direkt um die Ecke, in der Schillerstrasse. Ich beschreibe den ersten Eindruck des Viertels mal folgendermaßen: Tittenbar an Tittenbar, Beate Uhse nebenan und überall dicke Protzkarren. Noch Fragen? Das Hotel selber war überraschend gut, was man halt für 59 Eus die Nacht erwarten kann, nur eine Klimaanlage fehlte. Nach eine kurzen Dusche ging es dann auch schon wieder ab in die Stadt, ich wollte mich mit einem alten Bekannten treffen und einen heben gehen. Mit Zwischenstop am Würger King ging es also zur Münchner Freiheit, wo mich Holger abholte. Er ist Chef vom eSport-Clan a-Losers, in dem ich auch mal vor Äonen gespielt habe. Wir zogen gemeinsam von Kneipe zu Kneipe in Schwabing und hatten einen unterhaltsamen Abend und uns viel zu erzählen. Unsere letzte Station war ein Club, in dem er Samstags immer Metalsachen auflegt. An diesem Abend jedoch war „Classic Rock“ angesagt. Und mit Betreten der Örtlichkeit senkte ich den Altersdurchschnitt schon mal um gute 5 Jahre. Im Ernst, das erste Mal seit langem kam ich mir richtig jung vor, die restlichen Besucher waren alle so 40+. Naja egal, das Flens war, dank Holger, billig, also ließ es sich bis 4 aushalten, als mich dann doch die Müdigkeit überkam und ein Taxi mich vor dem Hotel absetzte.

Es war wahrscheinlich nicht nur Müdigkeit, denn mein Schädel brummte am Samstag Morgen dann ordentlich. Trotzdem machte ich mich für meine Verhältnisse recht früh (12 Uhr) auf die Socken, um München etwas zu erkunden. Aber ich hatte mir einen schlechten Zeitpunkt ausgesucht. Es war recht kühl, bewölkt und es nieselte die ganze Zeit. Schlechtes Cam-Wetter und noch schlechteres Wetter für meinen Kater. Als drehte ich eine kurze Runde durch die Fußgängerzone und verbrachte die Zeit bis 17:30 aufm Zimmer im Bett. War auch gut so, denn danach war ich fit, mir David Gilmour zu geben.

Nach 10 Minuten Fußmarsch kam ich auch schon am Königsplatz an. Die Schlange war noch recht kurz und ich konnte ohne Probleme sofort durch. Ohne Probleme? Ha, von wegen. Die netten Security-Menschen meinten nämlich, mir meine Kamera abnehmen zu müssen. Nach kurzer Nachfrage warum, hieß es lapidar, dass nur kompakte Digicams zugelassen waren, mit Spiegelreflexkameras hatte man also ausgeschissen. Mein Einwand, dass gute kompkate Digicams inzwischen eine weit bessere Auflösung als meine 300D haben und auch der Zoom kein Problem mehr darstellt, wurde einfach mal ignoriert. Wie mich das ärgerte und noch immer ärgert. Zum einen, weil ich nicht begreifen kann, was damit bezweckt werden sollte. Die Fotos sind nur für mich und vielleicht die 1-2 Leser hier in dem Blog gedacht, man kann also kaum davon ausgehen, dass ich damit geschickt ausgeklügelte Marketingketten sprenge. Außerdem finde ich es einfach frech, ehrlichen Leuten, die sich die CDs orignal kaufen, eine ganze Menge Geld für dieses Konzert ausgegeben haben, zu verbieten, ein paar Fotos zu machen, als Erinnerung. Und zu guter Letzt kotzte ich besonders, weil nur Stichproben gemacht wurden. Auf dem Gelände selber sah ich dann zig Leute mit den dicksten SLRs und Objektiven. Das Ganze fing also schon mal eher suboptimal an. Sollte sich aber zum Glück noch ordentlich steigern.

Ich suchte mir dann meinen Platz und wartete geduldig auf den Beginn des Konzerts, während ich mich mit meinen Sitznachbarn unterhielt. Irgendwann war es dann soweit. „Speak to me“ setzte ein und mit den ersten Tönen von „Breathe“ gingen mir die kalten Schauer über den Rücken. Ein unglaublicher Sound kam da aus den Boxen, es war einfach magisch. „Breathe“ ging dann direkt in „Time“ über und während des mehr als genialen Solos blieb mir nicht zum letzten Mal während der Show der Mund offen stehen. Danach wurde es jedoch erstmal etwas ruhiger, denn Gilmour spielte sein Soloalbum „On an Island“ komplett am Stück. Obwohl ich das Album mag und sehr gerne höre wollten die Songs bis auf 2-3 Ausnahmen nicht so recht zünden. Die Bestuhlung tat ihr Übriges, da man dem Ganzen nur regungslos zuschauen konnte. Auch die Helligkeit war nicht gerade zuträglich, ohne sichtbare Lightshow macht ein Konzert halt auch ein bisschen weniger Spaß.

Mit dem letzten Ton von „On an Island“ genehmigte sich die eine Hälfte von Pink Floyd plus Band (Richard Wright ist als Keyboarder mit auf Tour) eine Pause von 20 Minuten. In dieser Zeit verdunkelte sich der Himmel durch einige bedrohliche Wolken und es wurde merklich kühler. Und jetzt ging das Konzert erst richtig los, der zweite Teil begann mit „Shine on you crazy Diamond“ und endlich kam auch die Lightshow zum tragen. Darauf folgte „Astronomy Domine“ sowie ein 15 minütiger Regenguß. Vom Feinsten. Aber es war egal, denn Gilmour und Band hatten mich jetzt schon so sehr verzaubert, dass es mir auch nichts mehr ausmachte, total durchnässt zu sein. Außerdem standen nun endlich alle auf, und es kam etwas Bewegung in die Menge. Nach „Astronomy Domine“ folgten zwei sehr alte Songs von Syd Barret, die ich bis dato noch nicht kannte.

Mit einer Liebeserklärung an Gilmours Frau startete „Coming Back to Life“ umd direkt darauf in das geniale „High Hopes“ überzugehen. Nichts war zu spüren von den immerhin 60 Jahren, die der gute Gilmour inzwischen alt ist. Die Stimme immer noch mehr als fit und die Finger flink wie immer. Danach wurde es kurz ruhig, die Bühne dunkel, bis die Stimme von dem Ton eines Echolot unterbrochen wurde. Hier folgte nun der absolute Höhepunkt des Konzerts, denn Gilmour spielte den absoluten Pink Floyd Klassiker „Echoes“ in fast kompletter Länge. Fast soll heissen, der Song ist im Original knapp 24 Minuten lang, hier spielte er ca. 18-20, habe ich genau auf die Uhr geschaut. Und was für eine Performance. Man kann es gar nicht beschreiben, so unglaublich schön war es. Eine perfekte Lichtshow – überall blitze es und die Bühne leuchtete dauerhaft in allen möglichen Farben, quasi Pink Floyd light – , eine beeindruckende Band, ein beeindruckender Richard Wright und ein genialer Gilmour, der alle Giarrenparts fast perfekt gespielt hat. Unglaublich, während des ganzen Songs war ich irgendwo anders, nur nicht im Hier und Jetzt. Wer den Song nicht kennt, dem empfehle ich diesen Link. Da hat jemand „Echoes“ mit dem Ende von „2001: Odysee im Weltraum“ synchronisiert. Passt perfekt.

Danach ging es aber noch weiter, denn Gilmour zückte die akustische Klampfe und gab „Wish you were here“ zum Besten, frenetisch von den Zuschauer mitgesungen. Überhaupt gaben die Zuschauer ein paar tolle Bilder her, irgendwie lagen sich alle in den Armen und schunkelten und hatten einfach eine gute Zeit. Wunderbar. So muss es vor 30 Jahren auf einem Pink Floyd Konzert gewesen sein. Was habe ich nur alles verpasst.

Das Konzert endete dann standesgemäß (nach über 2,5 Stunden) mit „Comfortably Numb“ und dem Hammersolo, dass mir bei jedem anhören die Nackenhaare aufstellt. Unvorstellbar schön. Hoffentlich kommt bald die DVD zu dieser Tour heraus, in München wie auch bei allen anderen Konzerten, wurden Filmaufnahmen gemacht. Somit war das beste Konzert, dass ich bis dato gesehen habe, vorbei und ich lief frierend, aber absolut glücklich, zu meinem Hotel.

Eigentlich wollte ich mich an dem Abend wieder mit Holger treffen, aber leider machten mir meine Kontaktlinsen einen Strich durch die Rechnung. Durch den Regen waren sie so ausgetrocknet, dass ich schon Probleme hatte, die Linsen überhaupt abzunehmen, ich musste regelrecht kratzen. Also sagte ich Holly ab und begab mich ins Bett.

Am Sonntag stand ich dann früh auf, checkte aus und begab mich in Richtung Innenstadt im endlich ein paar Fotos zu machen. Das Wetter war sehr gut, sonnig und warm. Ich hielt mich abseits der Stadtmitte und entdeckte viele schöne und interessante Ecken in München.


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Gegen Mittag für dann mein Zug wieder zurück nach Leipzig, und war diesmal auch pünktlich. Alles in allem hat sich mein Trip nach München mehr als gelohnt, sollte ich öfter machen. Schaut euch auf jeden Fall die Bilder an und sagt mir, was ihr von ihnen haltet.

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