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Die Folgen der Karikaturen

6. März 2006

Die Meldung ist zwar wohl schon ein paar Tage alt, aber leider etwas untergegangen und war auch dem sonst recht kritischen Kulturmagazin Kulturzeit nur eine Randnotiz wert.

Die Rockband Oomph wurde wegen ihres provokanten Songs „Gott ist ein Popstar“ von der diesjährigen Echoverleihung ausgeladen. Als Grund wurde der Inhalt des Liedes angegeben. Textzeilen wie:

Ich gebe euch Liebe, ich gebe euch Hoffnung, doch nur zum Schein, denn die Massen wollen betrogen sein

seien vor dem Hintergund der Mohammed-Karikaturen nicht hinnehmbar. Auch der Sender 1Live reagierte und nahm den Song aus seinem Programm.

Wie lächerlich ist das bitte? Seit wann haben in unserem Land die Sittenwächter wieder das Sagen? Seit wann werden Künstler für provokante Aussagen wieder dermaßen abgestraft? Mit den absolut unverhältnismäßigen Reaktionen auf die Mohammed-Karikaturen haben die Drahtzieher dahinter genau das erreicht, was das Ziel jedes Terroristen ist: der Gegner wurde von innen heraus verändert und geschwächt. Der Treffer saß anscheinend, ähnliche Songs haben vor einigen Jahren nichtmal annähernd so heftige Reaktionen hervorgerufen. Man denke da an die „10 Gebote“ der Toten Hosen oder ähnliche Lieder.

Das Ziel ist erreicht, Selbstzensur findet immer öfter statt. Und niemanden kümmert es. Bis es zu spät ist, und wir uns vielleicht in die zweiten Wiedergeborenen USA verwandelt haben. Dort regt man sich schon über einen nackten Nippel im TV auf, ein Anblick, den jedes Baby schon direkt nach der Geburt genießt und der ihm auch nicht zu schaden scheint. Dies sollte uns ein warnendes Beispiel geben, das Selbstzensur nur in den Abgrund führt, dem wir damit eigentlich zu entrinnen versuchen.
Stellt sich die Frage, ob der Ausspruch „Religion ist das Opium fürs Volk“ heute auch der Selbstzensur zum Opfer fiele.

[tags]Oomph, Echo, Selbstzensur, RTL, Einslive[/tags]

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