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Dünnhäutig und hinterfotzig

15. Juni 2009

So sehen Streitigkeiten mit Kindern aus. Das Kind behauptet etwas, man weiß es besser und will das Kind korrigieren. Das Kind, weil es eben Kind ist und zur Sturheit neigt, sieht den eigenen Fehler nicht ein und erhöht die Lautstärke und Heftigkeit. Man gibt nicht auf, bis das Kind die Grenze überschreitet, „Du bist doof!“ plärrt und stampfend den Raum verlässt.

So ungefähr lässt sich der Auftritt von Zensursula bei der Uni Hannover erklären. Dort wurde während ihrer Rede hinter ihr ein Transparent (Bilder hier) mit deutlicher Kritik an ihren Netzsperrplänen aufgehängt. Daraufhin reagierte sie so:

Die Bilder von Kindern, die vor laufender Kamera geschändet werden, wo vor laufender Kamera in Kauf genommen wird, dass diese Kinder an inneren Verletzungen verbluten [Ruf: Das ist doch widerlich!], das sind genau die Themen die unter „Kinderpornographie“ laufen, wenn Sie Ihre Fachlichkeit, Ihre Fähigkeit als Chaos Computer Club im Internet einsetzen würden, um genau dieses zu verhindern [Ruf: Das tun wir.], dann wäre Ihr Engagement an der richtigen Stelle.
[…]
Sie sind verantwortlich dafür, dass die Bilder von vergewaltigten Kindern [Ruf: Falsch.] [(weiter im Internet zugänglich bleiben?)] [Ruf: (Und Sie, dass sie versteckt werden.?)]

Sie reagiert damit nicht anders als das Kind. Gut, man könnte es fast verstehen. Die ePetition gegen die Pläne ist weiter erfolgreich, die Kritik auch von anderer Stelle reißt nicht ab und zu guter Letzt wird das Moment der Notwendigkeit auch noch durch die aktuelle aktuelle Kriminalstatistik der Polizei kräftig in Frage gestellt. Und wäre das nicht alles schon schlimm genug, gibt die eigene Bundesregierung zusätzlich schriftlich zu Protokoll, dass eigentlich alle Zahlen, die den geplanten Sperren als argumentatives Futter dienten, genau das waren, was wir alle schon lange wussten: erstunken und erlogen. Da kann man schon mal dünnhäutig werden. Könnte man, wenn man nicht gerade eine Bundesministerin ist. (Die CDU scheint allgemein Probleme mit Zahlen zu haben)

Dazu ist ihre Partei dann auch noch eine Königin der Hinterfotzigkeit. Wie sonst sollte man diesen Kommentar zum Entschluss der SPD zu Netzsperren (der auch nicht das Papier wert ist, auf dem er geschrieben ist) verstehen:

Damit ist eine gefährliche Entwicklung gestoppt worden. Unter Berufung auf eine angebliche Internetzensur durch den Staat wollten die Linksaußen in der SPD durchsetzen, dass das Internet zum rechtsfreien Raum wird. Die SPD wäre dadurch Gefahr gelaufen, Straftaten im Internet Vorschub zu leisten, von der Vergewaltigung und Erniedrigung kleiner Kinder bis hin zu Urheberrechtsverletzungen in breitestem Ausmaß gegenüber Künstlern und Kreativen. Allen engagierten Streitern gegen das abscheuliche Verbrechen der Kinderpornografie ist angesichts des Scheiterns der SPD-Linken ein Stein vom Herzen gefallen. Wir fordern daher die SPD-Fraktion auf, das Gesetz nun zügig zu verabschieden – im Interesse der Kinder. Dabei machen wir – gerade als Medienpolitiker – ganz klar: Zugangssperren im Internet müssen und werden einzig und allein auf kinderpornographische Seiten beschränkt bleiben.

Ein schöner Rundumschlag: der SPD die Hosen runtergezogen, gegen „Linksaußen“ gestänkert und die urbane Legende des rechtsfreien Internets weitergesponnen. Wie das tapfere Schneiderlein alle Fliegen auf einen Streich. Glaubt sie.

Das ist die klassische Politik der CDU: Hinterfotzig. Und wenn man sie erwischt: Dünnhäutig. Leute, geht im September wählen, und bitte wählt überlegt.

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