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Ein Mittwoch in NY

4. September 2008

Die Nacht war kurz. Zu kurz. Irgendwie war ich schon um halb 8 wieder wach. Das ist nicht mehr schön. Aber gut, hatte ich ein paar Minuten Ruhe – da Phil immer noch im Lummerland war – zu rekapitulieren. Zum Beispiel, dass es oben auf den Wolkenkratzern ziemlich still ist. Mehr als der Wind ist nicht zu hören. Der ganze Großstadtlärm ist auf einmal weg. Fast schon wie eine Oase. Von der Größe allein Manhattans macht man sich gar keine Vorstellung bis man auf einmal unten in einer Straße steht und versucht, irgendwo hinzulaufen. Die Subway würde bei uns in Deutschland niemals vom TÜV abgenommen werden. Das rattert und wackelt und knarzt und rast dabei mit einer höllischen Geschwindigkeit durch die Tunnel. Und es gibt definitiv viel zu viele hübsche Frauen hier. Ehrlich jetzt, wie soll man sich denn da auf die Stadt konzentrieren?


Heute jedenfalls ging es gegen 10 Uhr los in Richtung Subway. Erstes Ziel sollte die Brooklyn Bridge werden. Auf dem Weg dorthin hatten wir das erste Mal einen Subway-Waggon für uns allein. Das sieht man auch recht selten, wo doch eigentlich immer etwas los ist.

Mit der A-Train ging es dann zur High Street, von wo aus der Weg über die Brooklyn Bridge ausgeschildert war. Wie auch schon gestern war das Wetter heute mehr als traumhaft und sehr warm. Mir schon zu warm. Ich mag es ja eh nicht so heiß, und wenn man dann auch noch die ganze Zeit unterwegs ist, dann kann es schon mal zu viel werden. Aber ich will mich nicht beschweren. Auf dem Weg zur Brücke kamen wir im übrigen an einem Riesengebäude der Zeugen Jehovas vorbei. Ein einer Ecke aufgesetzt war so eine Art Turm, die man von Ritterburgen kennt. An ihm angebracht ein Schild: Watchtower. Wie passend.

Vor dem Abflug nach NY hatte ich noch gedacht, dass es ziemlich voll werden wird überall. Reiseführer sprachen davon, dass September-Oktober eigentlich die besten Reisezeit in der Stadt sei. Glücklicherweise war auch heute nur relativ normaler Betrieb. Es war also nicht so, dass sich die Leute auf der Brücke stapelten. Das macht den Spaziergang zu einer sehr schönen Erfahrung mit vielen Eindrücken von der Stadt. Wir haben viele, sehr viele Bilder gemacht. Hier nur eines davon.

Bei dem Anblick der Skyline konnte ich aber nicht widerstehen, noch ein schönes Panorama anzufertigen. Das Ding besteht aus 16 Bildern, ist 4,5MB groß und hat leider auch 2-3 Schönheitsfehler. Aber egal, hier geht es zum Pano.

Irgendwie hatten wir aber die Länge des Weges etwas unterschätzt. Auf der anderen Seite angekommen waren wir schon etwas erschöpft und hatten Hunger wie Sau. Also gingen wir vorbei an der City Hall in Richtung Broadway. Dabei fiel mir auf, wie viele kleine Parks es doch über all zwischen den Hochhäusern gibt.

Auf der Suche nach etwas Essbarem wurden wir in einer Seitenstraße fündig. Ein Italiener, betrieben von Pakistanis, der Name war glaube ich Naturally Delicious. Ich gab mir einen saftigen Cheeseburger, und er war verdammt gut. Gestärkt ging es für uns dann zur größten Baustelle in New York, Ground Zero. Falls das Unglück den Leuten immer noch weh tut, man merkt eigentlich nichts davon. Nur am Nordost-Ende der Baustelle befindet sich eine Art Gedenkstätte mit Aussichtsplattform auf den Krater. Wir sind einmal herumgegangen, und konnten auch hier und da mal in die Baustelle hereinschauen, die ansonsten ziemlich gut abgeschirmt ist.

Nach der vielen Lauferei war wieder eine kurze Verschnaufpause angesagt und so setzten wir uns am Liberty Place für ein paar Minuten hin. Ein recht beliebter Treffpunkt für Schachspieler. Gespielt werden dort Blitzpartien. Als wir dort saßen spielte gerade ein Mann in Hemd und Krawatte anscheinend während seiner Mittagspause gegen einen jungen Schwarzen in Hip-Hop Klamotten. So einfach ist das hier in New York.

Direkt um die Ecke lag die Wall Street. Dabei kamen wir auch an der Trinity Church vorbei. Direkt daneben ist ein kleiner Friedhof, den die Menschen aus den Bürotürmen nutzen, um sich an der frischen Luft „im Grünen“ zu entspannen. Schon makaber. Direkt gegenüber der Kirche ist man dann auf der Wall Street. Nirgends war es bisher so voll wie hier. Dabei gibt es eigentlich nichts zu sehen, wir haben 2-3 Bilder gemacht und sind dann wieder gegangen. Die NYSE ist abgesperrt seit dem 11. September und so sieht man in den engen Gassen vor allem Polizei. Just in diesem Moment starb mir auch mein Akku wieder ab. Ich glaub, ich hole mir hier dann auch mal einen neuen. Gnarf.

Inzwischen war es 2 Uhr und wir beschlossen, für heute genug gesehen zu haben. Es war Zeit zum shoppen. Direkt an Ground Zero ist das Century 21. Ein Laden, in dem Designer-Klamotten heruntergesetzt zu haben sind. Eigentlich brauchten wir kurze Hosen, aber wir mussten schnell feststellen, dass das alles nicht so das Wahre da war. Designer heißt eben nicht gleich schön. Wenn man aber generell Klamotten wie z.B. Hemden, Anzüge und ähnliches sucht, ist man da auf jeden Fall richtig, es hab eine sehr große Auswahl an Herren- und Frauenmode. Nur selbst heruntergesetzt war das nichts für meinen Geldbeutel. Direkt nebenan hat das Century 21 im übrigen noch einen Schuhladen, die Sneaker-Abteilung kann man zumindest als Mann aber vergessen. Dafür gibt es viele schöne Herrenschuhe. Oh und fast hätt eich es vergessen: man sollte sich darauf einstellen, dass es voll ist. So voll wie ein Obstladen in Ostberlin ’85 nach Eintreffen einer Kiste Bananen.

Gegen 16 Uhr waren wir dann wieder im Hotel und entschieden uns, später in ein Kino zu gehen. Nachdem wir uns auf Wall-E festgelegt und ein Kino im East Village ausgesucht hatten, legte ich mich endlich für eine Stunde hin. Man das war dringend nötig. Wie im übrigen jetzt gerade auch. Aber nur noch ein bis zwei Sätze.

Wall-E war klasse. Im Grunde ein rührend verpackter Familienfilm mit einer ordentlichen Portion Gesellschaftskritik. Das East Village ist ein ziemlich cooler Stadtteil, sehr lebendig, ich würde das jetzt mal mit einem Studentenviertel in einer deutschen Großstadt vergleichen. Viele Kneipen, Restaurants, junge Leute. Das Kino war auch cool, aber leider etwas zu teuer. Der Saal in dem wir saßen hatte Heimkinoatmosphäre, war klein und kuschelig. Das ist ganz nett, aber $12 sind dafür eigentlich zu viel.

So nun ist es hier gleich 2 Uhr nachts. Es wird Zeit, das Land der Träume zu betreten. Hoffentlich schlafe ich diesmal halbwegs aus.

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4 Discussion to this post

  1. Micha sagt:

    Hey Marcel, die Panos sind doch alle recht cool. Außerdem hat nicht jeder die Möglichkeit Fotos in New York zu machen, da sind Schönheitsfehler doch egal ;) Auf der Brücke hat sich der Typ bewegt der ist zwei mal drauf. Du bist doch in USA, kannste den nicht einfach verklagen? ;) da ist doch sicher ne Mio drin :D

    Viel Spass dir noch in NY Gruß Micha

  2. holger sagt:

    Super Panorama-Bild. Sieht echt gut aus. In Opera läuft es flüssig, wie gesagt. –
    Du bist halt ein Frühaufsteher, zuverlässiger Arbeiter und pünktlich Erscheinender, könnte man jedenfalls vermuten…!

  3. Marcel sagt:

    @ micha

    hah danke :)

    @holger

    ich glaube heute wird sich das gesamte brüo auf arbeit kaputt gelacht haben :D

  4. holger sagt:

    … die Leute vom Büro kennen dich halt nicht so genau. Im Amiland zeigst du dein wahres ICH.

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