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Etwas Gutes im Bösen?

20. November 2006

Nachdem ich heute die ersten Schlagzeilen gelesen hatte, die von dem Amoklauf berichteten, hatte ich schon die Reaktionen vor meinem geistigen Auge: Schuldzuweisungen in Richtung Videospiele und Metalmusik. Obwohl der Täter wohl gerne mal oom und CS gespielt hat und auch Death-Metal-Fan war, spielt es diesmal (im Gegensatz zu Erfurt oä.) erstaunlicherweise nur eine kleine Nebenrolle. Anstatt darauf anzuspringen findet dieses Faktum nur geringe Beachtung, es wird geradezu beiläufig erwähnt.

Vielmehr finden die Lebensumstände des Täters in ihrer Gesamtheit sehr starke Beachtung. Dies ist wie ich finde ein guter Schritt in die richtige Richtung. Nicht nur die webbasierte Berichterstattung folgt diesem Weg, auch das Fernsehen, wie ZDF und ARD, ersparen sich plumpe Verweise. Vielmehr kommt es auch dort zu Lichtblicken. Vor allem in Form der besonnenen Bildungsministerin von NRW. Sie verweis darauf, dass es wichtiger sei, zu beginnen, eher auf die Mitmenschen zu achten, ihre Situation nachzuempfinden und ihnen so zu helfen, anstatt einseitig über (zB) Videospiele zu berichten. Ein kluger Ansatz wie ich finde.

Denn Phänomene wie die Schulamokläufe, aber auch die Kindsvernachlässigung und ähnliches, sind zu allererst gesellschaftlicher Natur. Vor allem aber bei diesem Amoklauf stellen sich grundlegende Fragen, deren Beantwortung weiteren Tragödien mindestens im Ansatz entgegenwirken könnten. In welcher Gesellschaft eben wir und welcher wollen wir leben? Welches Lebensbild wird allgemein propagiert? Inwiefern passt dies zu unserer Lebenswirklichkeit? Durch welche gesellschaftlichen Bewegungen werden Teile der Gesellschaft ausgeschlossen? Und wie kann man dem entgegenwirken? Durch was und/ oder wen wird unser Gesellschaftsbild eigentlich geprägt?

Das sind wie gesagt grundlegende Fragen, aber ich denke, wenn man zukünftige Amoktaten verhindern will, muss man sich diesen erst stellen. Im Moment bietet sich wieder die Chance und bisher wurde diese Chance noch nicht ausgeschlagen. Vielleicht haben wir ja Glück, und das Ganze endet tatsächlich nicht wieder in einer dieser stereotypen Killerspieldiskussionen. Denn ansonsten müsste ich mich echt langsam fragen, warum ich noch nicht ausgetickt habe. Deathmetal und Shooter gehören auch zu meinen Interessengebieten.

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