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Frontal21 reagiert auf Kritik…irgendwie

30. November 2007

Seit einigen Tagen geistert ein Video durch die deutschen Blogs herum, dass eine Aufzählung von Fehlern der Öffentlich-Rechtlichen Sender bei der Berichterstattung über „Killerspiele“ beinhaltet. Etwas, dass mir schon mehrfach auf den Geist ging. Das Video zeigt die Fehler sehr plastisch, manchmal überspitzt, aber die Intension wird klar.

Dabei nimmt sich der Autor Matthias Dittmeyer auch einen Beitrag von Frontal21 vor, der am 9.11.2004 im ZDF ausgestrahlt wurde. Dazu hat nun Claus Richter, Redaktionsleier von Frontal21, Stellung genommen (pdf). (via Stefan)


Ich möchte jetzt nicht auf das Für und Wider von Verboten etc. eingehen. Das hatte ich hier schon mehrfach. Vielmehr interessiert mich die Antwort von Frontal21. Deren Haupttenor ist, dass sich die USK nicht an die Jugendschutzgesetze halten würde. Immer wieder ihr vorgeworfen, dass Spiele, deren Vorgänger indiziert wurde, eine USK Bewertung bekamen, und somit nicht indiziert wurde. Dabei beruft sich Frontal21 auf den §14 Absatz 4 des Jugendschutzgesetzes, der besagt, dass Nachfolger von Spielen, die im wesentlichen oder ganz inhaltsgleich zu ihren Vorgängern sind, indiziert werden müssen.

Dabei gibt es aber schon ein Problem. Vor dem 1. April 2003 gab es de facto keinen Jugendschutz bei Videospielen. Denn entweder wurde ein Spiel indiziert, und niemand bekam es. Oder es wurde freigegeben und es war für alle zu haben. Differenzierung wie bei Filmen fand bis 2003 noch nicht statt. Es gab zwar die USK Plaketten schon vor 2003, diese waren aber nicht gesetzlich bindend und auch nicht im Jugendschutzgesetz aufgenommen. Das z.B. Doom 1994 indiziert wurde, war nur richtig. Es gab auch keine andere Möglichkeit. Dass Doom 3 dann mehr als 10 Jahre später wegen des Vorgängers eben nicht indiziert wurde, liegt zum einen daran, dass man Spiele, die soweit auseinander liegen schon technisch nicht als inhaltsgleich bezeichnen kann, andererseits hatte man nun die Möglichkeit, eine differenziertere Analyse vorzunehmen. Doom 3 ist immer noch nicht für Jugendliche freigegeben. Immer noch dürfen nur Erwachsene das Spiel erwerben. Aber man muss nicht mehr umständlich einen Laden suchen, der es überhaupt führt.

Das Beispiel Doom 3 gilt für viele Spiele. Wie z.B. Mortal Kombat. Bei Max Payne 2 liegt es noch ganz anders. Das Spiel wurde für den deutschen Markt geschnitten, so dass die krassen Szenen, die zur Indizierung von Teil 1 geführt haben, nicht mehr vorhanden sind. Auch Blut ist nicht mehr zu sehen. Deshalb ein ab 18. (Korrektur: siehe Icemans Kommentar) Gleiches lässt sich für GTA, GTA:San Andreas, Hitman:Contracts (auf das Datum der Prüfung achten!) etc. pp. sagen.

Was Frontal21 in ihrem blinden Eifer einfach übersehen, ist, dass die Novellierung des Jugendschutzes 2002 auch zu einer Differenzierung der Altersfreigaben geführt und damit auch zu einer anderen Spruchpraxis.

Aber es geht noch weiter. Unverschämt ist die Art und Weise, wie dem Macher des Videos Zynismus unterstellt wird. Denn nicht er hat angeblich zu tötende Lehrer, Shüler oder unbeteiligte Zivilisten hervorgehoben. Sondern Frontal21 war es selber. Aber schön, dass Frontal21 die eigene Berichterstattung menschenverachtend findet.

Dem ganzen die Krone setzt aber Punkt 8 auf. Die Verantwortung der Verkäufer. Da wird von Lebenserfahrung schwadroniert, dass mir schlecht wird. Nur, ist das das Problem der Hersteller, der USK? Nein ist es nicht. Da verstossen Verkäufer gegen geltende Gesetze, auf die der Herr Richter weiter oben ja so sehr pocht. Lächerlich.

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6 Discussion to this post

  1. Hans sagt:

    Die Stellungnahme von Frontal21 ist – gelinde ausgedrückt – für’n Arsch.
    Nicht Herr Dittmeyer ist mit seinen Kommentaren „menschenverachtend“ und „zynisch“, sondern Frontal21, die es immer wieder fertig bringen beim Zuschauer ganz bestimmte suggestionen hervorzurufen und somit Videospiele (und deren Konsumenten) zu verunglimpfen und als psychopathische Killer darzustellen.
    Das beste Beispiel ist wohl eben jenes mit den angeblich zu tötenden Lehrern und Schülern.
    O-Ton Frontal21: „Im Blutrausch tötet ein Schüler Lehrer und Mitschüler. Wie im Computerspiel.“
    Wie soll man denn das anders verstehen, als daß es im „Computerspiel“ um das Töten von Lehrern und Schülern geht? Und dann in der Stellungnahme behaupten: „Eine solche Differenzierung erscheint uns zynisch.“
    Ja, dann redet doch vorher nicht so einen Müll.

  2. Iceman346 sagt:

    Ein Fehler in deinem Eintrag: Max Payne 2 ist nicht geschnitten. Das wurde ungekürzt in der EV mit einer ab18 Plakette von der USK versehen. Da liegt der Fall eher genauso wie bei der Doom Serie, beim Erscheinen des ersten Teils gabs keine verbindlichen Freigaben außer der Indizierung.

  3. Marcel sagt:

    d’oh, mea culpa, trage es direkt nach

  4. Velozenraptor sagt:

    Für mich ist diese Stellungnahme der unnütze Versuch, diese eindeutigen Fehler ins Gegenteil zu verkehren. Völlig egal wie viel Richter von sich gibt, Glaubwürdiger ist es noch lange nicht.
    Hier wird versucht, zu zeigen, dass Frontal21 doch Recht hat (hat es aber nicht), um sich ja keine Blösse zu geben und um die Kritik im Keim zu ersticken.
    Ich hoffe, dass dies mal so hohe Wellen schlägt, so dass verantwortungslose Lügenschweine wie Richter gezwungen sind, das Feld zu Räumen. Oder das die breite Öffentlichkeit rafft, das der Killerspielunsinn, das ist, was er ist: Ein gewaltiger, geistiger Furz von Leuten, die weder von der jetzigen Generation, noch von der Realität eine Ahnung haben.

  5. […] Diese Woche fand in Berlin der 24. Chaos Communication Congress statt. Dieser beschäftigt sich nicht nur mit Hacking Themen sondern auch mit gesellschaftlichen Problemen, die im weiteren Zusammenhang mit der IT stehen. Am zweiten Tag war eine Podiumsdiskussion angesetzt, die sich mit dem Themenkomplex rund um gewalthaltige Videospiele befasste. Eingeladen war Rainer Fromm, Fernsehjournalist und Autor kritikwürdiger Berichte über Videospiele in ZDF Formaten wie Aspekte und Frontal21. Einer von diesen Berichten wurde vor einigen Wochen schon ordentlich auseinander genommen. […]

  6. […] nicht empfänglich ist, zeigt seine wiederholte Kritik an der Nichtindizierung von Sequels, die ich hier schon zu widerlegen versuchte und bei Stigma-Videospiele noch detaillierter auseinander genommen wurde (Punkt 2 und […]

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