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Genau deswegen

14. März 2011

Ich bin ein politischer Mensch. Immer gewesen. Ich bin absolut davon überzeugt, dass ich wissen sollte, was in der Politik Thema ist, was entschieden wird, wie es entschieden wird und welche Argumente dazu geführt haben. Ich mag nicht damit übereinstimmen, aber ich sollte es wissen. Ich glaube, als Bürger bin ich zum Teil auch in einer Holschuld. Und ich verpasse keine Wahl. Aber ich bin nie einer Partei beigetreten und ehrlich gesagt widert mich das politische Geschäft meistens an.

Als ich noch zur Schule ging und mein Interesse an den Dingen der Welt so langsam geweckt wurde, hatte ich in meiner Klasse einen guten Freund, dessen politische Einstellung meiner absolut entgegen stand. Er hatte einen konservativen, wirtschaftsfreundlichen Hintergrund und wurde durch diesen geprägt. Ich war immer die rote Socke, auch wenn ich mich heute eher als sozial-liberal beschreiben würde. Ging es also um politische Themen haben wir uns ohne Ende gefetzt. Für uns beide bedeutete Politik eben nicht nur Interessenvertretung sondern vor allem auch eigene Überzeugung. Man stand für etwas und unterfütterte dies mit mehr oder weniger guten Argumenten. Ich dachte damals: das ist Politik, so muss sie sein.

Aber so denkt man nur als Jugendlicher. Man idealisiert. Die Realität ist eben eine ganz andere und im Moment zeigt sich wieder ein Schauspiel in Berlin, dessen Art zu meiner Desillusionierung beigetragen hat. Denn es geht nicht mehr um Überzeugungen. Es geht nur noch um Interessen. Frau Merkel und Co. haben den Vertrag um die Laufzeitverlängerung der deutschen AKW offensichtlich nicht aus Überzeugung geschlossen, sondern weil er der befreundeten Lobby dienlich war. Wäre die Regierungskoalition wirklich von der Atomkraft überzeugt, dann hätte sie sich heute vor die Kameras gestellt und dies verteidigt. Denn die (mögliche) Katastrophe in Japan hat die Situation in Deutschland ja nicht verändert. Deutsche AKW sind nicht plötzlich unsicherer als vorher. Es ist halt nur gerade opportun.

Und diese Biegsamkeit bis kurz vorm Brechen kotzt mich einfach nur an. Aber in 3 Monaten, wenn das Moratorium auslaufen wird, und das ist die eigentliche Krux, wird sich erst zeigen, wozu dieses Rumeiern überhaupt führen wird. Mein Tipp ist ja, dass sich Frau Merkel vor die Kameras stellt und sagt, dass die Laufzeitverlängerung alternativlos wäre, denn auch die Energiekonzerne brauchten Rechtssicherheit, weshalb man die Verträge jetzt nicht einfach aufheben könne. Aber dann sind einige wichtige Landtagswahlen auch schon wieder gelaufen….

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4 Discussion to this post

  1. Sina Hawk sagt:

    Tja, so gehts in der Politik. Die Japanische Regierung freut sich schon jetzt – was ich absolut abartig finde – über den bald kommenden Aufschwung in der Wirtschaft und Arbeitssituation weil dann ja so schön viel zu tun sei und Hilfefonds gibt es ja auch. Die deutsche Regierung hingegen dürfte zur Zeit ein wenig überrascht sein, wie viele Bürger sich plötzlich für ihre eigenen Belange interessieren. „Was, schon wieder eine Demo? Wieder was politisches?“ und dann sagt man schon mal „Ja komm, erklären wir, wir denken drei Monate drüber nach, die kaufen das schon“. Und die Mehrheit wirds kaufen, in paar Wochen ist das Thema wieder vom Tisch.

  2. Marcel sagt:

    das ding ist doch, dass es total egal ist, ob das thema noch aufm tisch liegt oder nicht. man wird das schon irgendwie als alternativlos verkaufen… das muss reichen!!11

  3. Sina Hawk sagt:

    Das sowieso. Aber wenn man eeeeiiiin einziges Mal konsequent auch dann noch demonstrieren würde, könnte man vielleicht noch etwas drehen – macht aber keiner weil man in Deutschland, wenn man schon mal auf die Straße geht, nach ein paar Tagen dann doch lieber wieder seinen eignen Brei kocht.

  4. Marcel sagt:

    aber es ist doch eigentlich schon armselig, dass man nur noch durch anhaltende großdemos „möglicherweise“ gehör findet für seine argumente… als ob argumente nicht mehr ihre eigene kraft haben…

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