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Killerspielrhetoriker reden Mist, die Industrie aber auch

26. August 2009

Ich war schon einigermaßen erstaunt, als der Europa-Chef von Electronic Arts im Vorfeld der Gamescom in Köln das Wort ergriff und stark gegen das System der USK anredete. Ich laß die Überschriften und war baff. Als ich dann aber den Inhalt der Brandrede durch ging, fror mir das Gesicht ein. Er gibt der USK die Schuld, dass einige Spiele in Deutschland nicht erscheinen, hält das System der USK für Zensur und ist für die Einführung von PEGI in Deutschland.

Und damit läuft er den Killerspielschreiern ins offene Messer. Deren Argumentation geht ja meist in die Richtung, dass Hersteller von Erwachsenenspielen mit Drogendealern gleichzusetzen sind, dass Profite auf dem Rücken der Kinderseelen vermehrt werden sollen, dass Spielehersteller beim Jugendschutz nur Lobbyismus in eigener Sache machen wollen. Diese Argumente sind meistens natürlich absoluter Quatsch, aber hier könnte ich noch nicht einmal widersprechen.

Denn natürlich hat Herr Florin absolut unrecht. Die USK ist eben nicht schuld, wenn Spiele in Deutschland wegen fehlender Alterskennzeichnung nicht erscheinen. Sie könnten es nämlich auch ohne. Aber da einer fehlenden Kennzeichnung meist auch die Indizierung durch die BPjM folgt, dürfen diese Spiele dann nicht beworben bzw. aktiv vermarktet werden, auch Presseberichte darüber sind stark eingeschränkt. Allerdings liegt es ganz beim Publisher, ob das Spiel trotzdem in Deutschland herauskommt oder eben nicht. Oftmals ist es gar so, dass die Publisher die Spiele wegen absehbar fehlender Alterskennzeichung gar nicht erst der USK vorlegen. So zum Beispiel bei Gears of War 1 und 2 geschehen.

Das System der USK ist deshalb auch keine Zensur. Die USK verbietet keine Spiele, sie bewertet sie nur. Warum also will der Herr Florin also die USK abschaffen und durch die PEGI ersetzen? Es gibt zwei Gründe. Zum einen ist die PEGI eine komplett private Veranstaltung. Die Spielehersteller bewerten ihre Spiele quasi selber. Ohne dass der Staat dort ein Wort mitzureden hat. Herr Florin will damit mehr oder weniger den Jugendschutz aus den Händen des Staates entreißen. Eine Vorstellung, die mir, trotz aller Kritik an dem zu sehr schützenden Staat, Kopfschmerzen bereitet.

Der zweite Grund ist simpel: Geld. PEGI ist im Rest von Europa der Quasistandard. Nur Deutschland sperrt sich da noch und erkennt nur die Wertungen der USK an. Daher müssen Spielehersteller öfters für unser Land spezielle Versionen herstellen. Das kostet Geld, dass man sich gerne sparen würde. Auch müsste man das Spiel nur einmal bewerten lassen, und nicht mindestens zwei Mal, wie bisher.

Herr Florin hat also sehr effizient Öl ins Feuer der Spielekritiker gegossen und man kann nur hoffen, dass daraus nicht wieder ein Flächenbrand wird. Allgemein sind seine Ausführungen eher kontraproduktiv für die Diskussion um Spiele. Viel wertvoller wäre es, den Fokus endlich mal auf die Anerkennung von Spielen als Kulturgut zu legen. Das würde Probleme wie das Verbot von bestimmten Symbolen und Inhalten in Spielen elegant umschiffen. Ich kann immer noch nicht verstehen, warum ich Wolfenstein keine Hakenkreuze sehen darf, in Inglorious Bastards schon.

Auch ein weiteres Problem würde seine Forderung, PEGI als Standard durchzusetzen bringen: eine wiedererstarkte BPjM, denn es ist im Moment die USK, die uns davor schützt, dass die BPjM allzu restriktiv gehen Spieleinhalte vorgeht. zurück in die Zeit vor der USK? Das möchte ich nicht wieder sehen.

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