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Manowar – Gods of War (Review)

6. März 2007

Mit meinem neuen iPod dachte ich, ich könnte mir ja mal was im iTunes-Store holen. Wie wärs mit nem Album? Direkt auf der Startseite sah ich das neue Manowar-Album und lud es mir sofort runter. Ich war doch gespannt, was die Band in 5 Jahren zu Stande bekommen hat. Ein Konzeptalbum soll es sein, über die nordischen Sagen rund um Odin, Walhalla und so weiter. Und man bin ich sauer und enttäuscht.

Aber von vorne. Das Album hat ganze 15 reguläre und einen Bonustrack. Hört sich viel an? Beim anhören merkt man davon aber nicht viel. Fast die Hälfte der Songs besteht aus Gelaber und Möchtegern-Wagner-Oper-Gedudel aus dem Synthesizer. Bleiben also 9 übrig. Davon kann man den Song „Odin“ schon fast wieder streichen, in ihm wird fast der gesamte Text aus einer vorhergehenden Laberpassage eins zu eins übernommen, jedoch diesmal mit Musik unterlegt. Macht 8 vollwertige Songs. 8! In 5 Jahren. Was eine Leistung.

Und was ist aus dem so großartig angekündigten Konzept geworden? Tatsächlich besteht ein Großteil davon aus den Laberpassagen. Von den eigentlichen Songs erweisen gerade einmal zwei dem Thema auch wirklich Referenz („Sleipnir“ und „Loki God of Fire“). Die restlichen Lieder sind mehr oder weniger typische Manowar-Songs mit typischen Manowar-Texten, die man zwar, wenn man gutwillig ist, in die Richtung nordische Mythologie deuten kann, aber ich bin hier nicht gutwillig. Denn in diese Richtung tendierten Manowar schon immer, also nix besonders Konzept-artiges. Das Ganze finde ich deshalb so schlimm, weil ich mir ein Musikalbum gekauft habe. Bei einem Konzeptalbum passiert es nunmal, dass Passagen einfach nur erzählt werden (siehe auch Blnd Guardians „Nightfall in Middle Earth“), aber wenn die Geschichte nur aus Gelaber besteht, hätt ich mir auch gleich ein Hörbuch kaufen können. Eine Geschichte sollte hier eigentlich vertont werden, und dem wird das Album nicht gerecht. Außerdem hab ich mir nicht ein neues Album gekauft, nur um den Warriors Prayer zum x-ten Mal zu hören.

Nächster Kritikpunkt: Production Value. Ich will hier jetzt nicht auf Soundqualität hinaus, die ist wie bei jedem Manowar Album großartig, bombastisch, genau so wie es sein soll. Mich ärgert viel mehr, dass es eine Band wie Manowar nicht hinbekommt, für die klassischen Passagen ein Orchester zu engagieren. Möchtegern-Klassik aus der Konserve ist einfach nicht zeitgemäß. Ich kann mir das nicht anhören. Die ganze Tiefe die klassische Instrumente besitzen fehlt einfach. Wie geil hätte ein „Gods of War“ mit dem Orchester im Rücken geklungen? Unvorstellbar. Aber nein, nicht bei Manowar. Geld kann kein Argument gewesen sein. Es gibt kaum eine andere Band aus dem Sektor, die ihre Fans in den letzten Jahren so dermaßen scheinheilig ausgepresst hat. Zig DVD-Boxen, Live-CD-Sets und und und. Es war wahrscheinlich eher Faulheit oder möglicherweise doch eingeschränkte künstlerische Kompetenz? Man weiß es nicht. Fakt ist, wenn man schon wie Wagner klingen will, geht das eben nur mit den geeigneten Mitteln. Die Konserve ist keins.

Was soll ich zum Abschluss sagen? Das Album ist im Grunde ein Trauerspiel, denn sehr viel Potential wurde einfach vergeudet. Andererseits sind die 8 vollwertigen Tracks fett und machen Spaß. Wenn es doch nur mehr davon gäbe. Die-Hard Fans werden sich vom Kauf nicht abbringen lassen, alle anderen sollten vorher lieber mal zu Probe reinhören, oder vielleicht auf eines der kommenden Live-CD-Sets warten, wo es die Songs dann bestimmt auch zu hören gibt.

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6 Discussion to this post

  1. Felix sagt:

    Ich bin mir sehr sicher dass sie ein echtes Orchester für die Aufnahmen engagiert hatten. Ich denke der ‚Synthesizer‘ Sound ergibt sich daraus dass die Instrumente einzeln abgenommen und zusammengemixt wurden. Es gibt mehrere Aufnahmen davon wie die Orchesterpassagen eingespielt wurden auf der DVD und wahrscheinlich auch auf youtube.

  2. Marcel sagt:

    das glaube ich nicht. allein der „ouverture“ fehlt die typische tiefe, die „richtige“ instrumente nun mal haben. das ist synthi, da leg ich mich mal fest :) und sollte dem wider erwarten nicht so sein, wäre es um so beschämender, denn der sound ist billig, blechern, einfach nicht gut

  3. Felix sagt:

    Stimmt leider. Es war aber kein Synthesizer :/
    Wie schon gesagt ich denke dass sie die Instrumente einzeln aufgenommen haben und dann abgemixt, vielleicht auch Synthies dazugemixt. Auf jeden fall ist es nicht gut.

  4. Thomas Kunze sagt:

    Mir gefällt die Scheibe inzwischen gut bis sehr gut. Man muss sich halt auf diesen Mixklang einlassen. Schließlich gibt es keine Pflicht zur Verwendung eines echten Orchesters … *g* Würde man die Musik der Intros einfach auf ein Orchester übertragen, macht das wahrscheinlich wenig Sinn – denn es ist kein echtes klassisches Orchesterskript! Das sind einfach übereinandergelegte /aufeinandergetürmte Akkordfolgen, halt nicht mit Gitarre sondern mit Samples … ich finde das passt zum Teil sehr gut. Und es lässt sich live sicher besser umsetzen … ein schlechtes Album ist es weder aus produktionstechnischer noch aus musikalischer Sicht. Aber man muss damit erstmal klarkommen …bei mir hats geklappt!

  5. Marcel sagt:

    sicher gibt es keine pflicht zur benutztung eines echten orchesters. aber wer die erwartungen so hochschraubt sollte dem dann auch folgen können. die klassik passagen hören sich einfach sau billig an.

    wenn’s dir gefällt, schön :) ich kann dem leider nicht folgen. dazu gibt es inzwischen zuviele hochkarätige bands da draussen, die manowar um längen schlagen.

  6. […] dem miesen Manowar-Album vor einem Jahr habe ich nicht mehr so einen Mist einer etablierten Band gehört. “A Sense […]

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