Mein Zynismus geht mir manchmal auf den Sack
Eigentlich müsste ich nur hier und dorthin verweisen, dazu zustimmend nicken, und es wäre fast alles gesagt. Jedoch wäre das ziemliche Heuchelei. Denn in meinem unendlichen Zynismus war mein erster Gedanke nach der Nachricht, dass es in einer Schule in der Nähe von Stuttgart zu einem Amoklauf gekommen ist, wie lange es denn dauern wird, bis das Videospielbashing wieder losgeht. Zugegeben, zu dem Zeitpunkt waren die Ausmaße nicht abzusehen, aber das macht es auch nicht besser. Es dauerte nicht lange, bis ich zu mir kam. Ich erschrak ein bisschen vor mir selbst.
Mit geöffneten Augen wurde mir schon mulmig, als auf Twitter nach den ersten Bildern des Täters gefahndet wurde. Die unvermeidlichen Klickstrecken, die jedes Detail voyeuristisch abbilden, und Analysen von selbsternannten Experten bevor überhaupt auch nur eine haltbare Information über die Hintergründe vorliegen. Dazu das Geheische nach O-Tönen von Opfern bzw. Beteiligten. Es dreht einem schon den Magen um. Erstaunlich besonnen allerdings die ersten Reaktionen von Politikern. Und es wurde auch noch nirgends wirklich etwas über den Medienkonsum oder ähnliches berichtet.
Also war mein Zynismus total unangebracht? Ja. Natürlich. Meine Vorhersage tritt trotzdem ein. Heute in der ARD bei Hart aber Fair. Thema: “Schule der Angst – was macht Kinder zu Amokläufern?”. Untertitel:
“Die Fassungslosigkeit nach dem Amoklauf: Erfurt, Emsdetten und jetzt Winnenden: Die Angst wird zum Begleiter unserer Kinder. Müssen wir uns an amerikanische Verhältnisse in Deutschland gewöhnen? Was machen Internet und Ballerspiele mit Jugendlichen?”
Als Gäste unter anderem Christian Pfeiffer, ein Computerspieler und ein “Computerspielexperte”. Ob sich Herr Plasberg danach auch wieder entschuldigen muss? Na, danke.
Oh nein, bitte nicht schon wieder der Pfeiffer.
ja leider, und es ging wieder los. zum glueck nur ein kurzer teil der gesamten sendung. aber das hat mir schon wieder gereicht. counter-strike: source zB ist in der deutschen version geschnitten. da gibt es kein blut, leichen verschwinden. gezeigt wurde die internationale version. und wieder wird immer nur von jugendlichen konsumenten ausgegangen. dass ein großteil der spieler solcher titel allerdings erwachsen ist, geht halt unter. wenig gehaltvoll. und dann die beschreibungen vom bosbach, oh je.
davon abgesehen war die sendung aber erstaunlich ausgewogen.
Das liegt aber daran, das man inzwischen viel schlimmeres gewöhnt ist. :)
so kann man es auch sehen, würde ich aber nicht. das wäre auch unfair der sendung gegenüber, deren hauptproblem die schnelle ansetzung war und nicht ihr inhalt. was soll man von 5 normalen menschen auf dem podium erwarten, dass sie sagen, einen halben tag nach der tat? deshalb fand ich es schon eher angenehm, dass die üblichen markigen platitüden ausgeblieben sind (mit einigen wenigen ausnahmen) und die gesamte stimmung eher gesetzter war.