Über Twitter habe ich ja anklingen lassen, dass ich seit Mittwoch wieder unterwegs bin, um an verschiedenen Standorten Trainings zu geben. Von Mittwoch bis Sonntag war ich deshalb in Brüssel. Weil Arbeit allerdings vorgeht und Mittwoch wie Sonntag für An- und Abreise draufgingen hatte ich nur Samstag, um mir die Stadt tatsächlich auch mal anzuschauen.
Allerdings, viel verpasst hätte ich auch nicht. Brüssel hat ja wirklich ein paar nette Ecken und vielleicht liegt es auch ein bisschen an mir, aber ich fand die Stadt nicht wirklich atemberaubend. Ehrlich gesagt fand ich es eher bedauerlich, wie Bausünden eine Stadt so dermaßen hässlich wirken lassen können und ihr jegliche Identität nehmen. Befindet man sich mal an einer schönen Ecke, dann braucht man sich nur umzusehen und der Blick fällt meist auf eines dieser hässlichen Zweckbauten aus den 60er und 70er Jahren. Klar, da gibt es den Grand Place und ein bisschen Altstadt mit dem Manneken Pis (beides überlaufen ohne Ende), aber das war es auch schon. Museen reizen mich bei einem eintägigen Stadtbesuch nicht wirklich, das Expo-Gelände (aber ich hab das Atomium vom Zug aus gesehen, ist ja riesig das Teil) liegt zu weit außerhalb und zwei Stunden warten, um aus der Menge heraus ein gutes Bild vom Manneken Pis zu machen, ist dann auch nicht wirklich meins.
So war mein Brüssel Besuch dann doch vor allem von Arbeit, EVE-Online und Cocoa geprägt. Was auch okay war. Da habe ich wenigstens nicht viel Geld ausgegeben. Denn solltet ihr dort mal hinfahren (was sich vor allem in eine Gruppe bestimmt lohnen kann, wenn man es mit einem Besuch von Brügge verbindet), dann lasst euch gesagt sein, dass die Stadt wirklich teuer ist. Teilweise sogar sauteuer. Das europäische Parlament und damit auch die Anwesenheit von gut zahlenden Lobbyisten und anderem Geschmeiß, dass sich um Geld keine Sorgen machen muss, treibt alle Preise die Höhe.
Aber nicht alles war schlecht. Als Tipp sei erwähnt, auf dem Platz vor der Kirche Sainte Catherine einen Kaffee zu sich nehmen, unter alten Bäumen sitzend. Und wenn man vor Mittag kommt, ist dort der Fischmarkt. Den frischen Fisch kann man dann einige Zeit später in einem der vielen guten Fischrestaurants um die Ecke geniessen.
Jetzt sitze ich im übrigen gerade in Nieuwegein, ein Ort südlich von Utrecht. Hat auch was. Wie zum Beispiel den Blick aus dem Zimmer auf ein Gewerbegebiet und Restaurantpreise im Hotel jenseits von Gut und Böse. Aber der Zimmerservice ist umsonst. Immerhin.
Die Tage seit dem Wochenende waren sehr anstrengend. Wie es halt bei einem großen Projekt so ist, herrscht immer viel Zeitdruck und es müssen viele Dinge gleichzeitig erledigt werden. Ich habe das eigentlich ganz gut hinbekommen, so dass ich mit meiner Leistung während der letzten zwei Wochen echt zufrieden bin. Nur äussere Einflüsse gingen mir ein bisschen auf die Nerven. Dieses Projekt hat globale Ausmaße, wodurch sich Pläne im 5 Minuten-Takt drei Mal ändern können. Ich mag das nicht, aber muss es wohl akzeptieren.
Heute Morgen hatte ich dann eine Präsentation vor versammelter Mannschaft und ich denke, ich habe es ganz gut hinbekommen. Bin wohl als Trainer geeignet. Das erleichtert mich schon im Hinblick auf die kommenden Aufgaben. Nur jetzt fühle ich mich das erste Mal während der letzten Zeit richtig müde. Die Anspannung, die ständige Konzentration um so viele Dinge wie möglich aufzusaugen, ist weg. Es wird Zeit nach Hause zu fahren. Ortszeit ist es gerade Mittag. Eigentlich sollten wir gegen 18 Uhr abheben, jedoch verspätet sich der Flug um mindestens 3,5 Stunden. Keine Ahnung, wieso der Lufthansa-Flug nicht pünktlich fliegen kann. Ich hoffe, dass der angekündigte Schneesturm Denver bis dahin nicht erreicht hat.
Trotzdem war es hier eine tolle Erfahrung. Ich habe viele interessante, spannende und lustige Leute hier getroffen. Mit manchen war ich abends trinken, wo ich dann erst um einiges später erfahren habe, dass sie eigentlich locker 7 Positionen über mir stehen. Solch eine Umgebung ist dann natürlich sehr angenehm. 15 Uhr geht es zum Flughafen, muss noch etwas tun. Ich melde mich dann aus Deutschland wieder. Holland wurde verschoben, große Projekte, viele Änderungen eben.
Die Entwicklung des Schneesturms am Donnerstag hier in Denver war irgendwie lustig zu verfolgen. Am Morgen war noch nix. Als ich dann den Meetingraum gegen 10 Uhr das erste Mal verließ schneite es schon ordentlich, aber nicht wirklich schlimm. Gegen 12 dann stürmte es wie Sau und die Sicht war auf vielleicht 50m verkürzt. Also wurde von den Chefs der Tag abgebrochen und die Hotel-Shuttles herbeordert, so dass sie uns ins Hotel bringen konnten. Inzwischen war die Situation auf den Straßen allerdings schon so chaotisch, dass statt zwei nur noch ein Bus kam und ich am Ende nur Glück hatte, dass ein Kollege aus Denver uns schnell hingebracht hat.
Chaotisch war die Situation auf den Straßen allerdings nicht wegen des Wetters. Meine Kollegen aus dem hinteren Erzgebirge würden darüber wahrscheinlich nur müde lächeln. Und eigentlich müsste man davon ausgehen, dass die Leute hier auf 1600m und nur 30 Minuten von den Rockies entfernt auch daran gewöhnt wären. Pustekuchen. Es beginnt schon damit, dass es hier quasi keine Räumdienste gibt. Selbst am nächsten Tag waren die Straßen teilweise nicht geräumt, vom Streuen kann gar keine Rede sein, das scheint hier gar nicht gemacht zu werden. Dazu kommt dann, dass die Leute hier allerhöchstens mit Allwetterreifen fahren. Noch nie habe ich so viele Riesenjeeps mit Allradantrieb etc. sich auf der Straße drehen sehen. Ein merkwürdiger Anblick. Wie sind mit dem kleinen Toyota Yaris und viel Gewicht auf der Hinterachse (5 Leute im Auto) zum Glück sicher zum Hotel gekommen. Es war abenteuerlich.
Der Nachmittag war dann eher ruhig, ich versuchte meinen VPN Zugang einzurichten und zu ergründen, warum mein Firmenlaptop WLAN hasst. Abends ging es dann für ein paar Bierchen in eine nahe gelegene Bar. Freitag begann dann etwas langsamer, weil zunächst nicht klar war, ob wir überhaupt bis zur Firma kommen würden. Es hatte nämlich noch etwas geschneit. Gegen 10 ging es dann aber los. Wir mussten Trainingsmaterial bearbeiten und möglichst verbessern. Es war anstrengend, ich hasse Powerpoint. Zwischendurch wurde das Wetter draussen allerdings richtig schön, so dass ich ein Bild vom Ausblick auf die Berge mache konnte.
Der Abend war dann lang. Nach der Arbeit sind wir in einer großen Gruppe zunächst in ein Steakhaus gegangen, wo ich ein fantastisches Filet Mignon genoss. 350 Gramm pure Freude. Dazu wurden natürlich auch ein paar Bierchen gekippt, so dass es dann beschwingt in die Bar um die Ecke ging, die am Wochenende anscheinend auch als Disse für die jungen Leute hier dient. Es war voll, aber lustig. Nur leider hörte der Spass schon um 20 nach 1 auf. Dann gingen die Lichter an und alles machte zu. Ich werd mich daran nie gewöhnen.
Samstag war ich dann zwar etwas verkatert, aber was solls, man ist ja noch jung. Nach dem Frühstück sind wir in die nahe gelegene Park Meadows Mall gefahren. Das Wetter war nebenbei wieder genial, wie das Bild zeigt.
Die Mall ist eigentlich ganz nett, aber einkaufen kann man (bis auf den Apple Store) eigentlich vergessen. Die Preise sind unangemessen hoch und die Klamotten nicht wirklich toll. Allerdings gibt es um die Ecke auch einen Best Buy, so dass ich mir endlich Left4Dead gekauft habe. In der Mall aber haben wir ein Mädel kennengelernt, die an einem Stand arbeitete. Wir kamen so ins Gespräch und sie erzählte, dass sie Halb-Deutsche ist. Sie hat sogar den deutschen Pass und kann ein bisschen Deutsch sprechen. Als sie aber ihren Namen nannte, bin ich in ein verrücktes Lachen ausgebrochen. Sie hiess Gretchen. Was ein Klischee. Ich konnte nicht mehr und ich glaube, ich habe sie damit ein bisschen verärgert.
Wieder im Hotel habe ich mir dann ein Mittagsschläfchen gegönnt, bevor es dann nach Downtown Denver ging. Wir hatten uns Karten für das Basketballsiel zwischen den Denver Nuggets und Golden State Warriors organisiert. $66 pro Ticket sicherten uns einen Platz relativ nah am Spielfeld.
Man merkte allerdings schon, dass Sport hier vor allem Familienunterhaltung ist. Es waren viele Eltern mit ihren Kindern unterwegs und in Lautsprecherdurchsagen wurde mehrfach darauf hingewiesen, dass man in der Wortwahl vorsichtig sein sollte. Zuviel Fluchen konnte sogar für deinen Rausschmiss sorgen. Als mir dennoch ein paar mal böse Worte aus dem Mund entfleuchten wurde ich böse von anderen Zuschauern angeschaut. Was mir auch nicht wirklich gefiel war, dass Begeisterung in der Halle vor allem durch das Drumherum aufkam und die Leute nur auf Ansage ein bisschen Stimmung in das Rund brachten. Für uns, die wir Stimmung in Fussballstadien etc. gewöhnt sind eigentlich unvorstellbar.
Trotzdem, es war ein schönes Spiel mit vielen Punkten, welches Denver locker für sich entscheiden konnte. Es gab einige schöne Szenen und spektakuläre Dunks.
Nach dem Spiel sind wir dann noch für eine Weile in der Bar um die Ecke versackt. Heute ist für mich chillen angesagt. Ich brauche einen faulen Sonntag, bevor es dann morgen wieder richtig losgeht. Bisher kann ich mir noch nicht wirklich vorstellen, dass ich in einer Woche eine Gruppe Holländer auf die neue Software schulen soll.