Die Luft ist raus, ich will nach Haus

Die Tage seit dem Wochenende waren sehr anstrengend. Wie es halt bei einem großen Projekt so ist, herrscht immer viel Zeitdruck und es müssen viele Dinge gleichzeitig erledigt werden. Ich habe das eigentlich ganz gut hinbekommen, so dass ich mit meiner Leistung während der letzten zwei Wochen echt zufrieden bin. Nur äussere Einflüsse gingen mir ein bisschen auf die Nerven. Dieses Projekt hat globale Ausmaße, wodurch sich Pläne im 5 Minuten-Takt drei Mal ändern können. Ich mag das nicht, aber muss es wohl akzeptieren.

Heute Morgen hatte ich dann eine Präsentation vor versammelter Mannschaft und ich denke, ich habe es ganz gut hinbekommen. Bin wohl als Trainer geeignet. Das erleichtert mich schon im Hinblick auf die kommenden Aufgaben. Nur jetzt fühle ich mich das erste Mal während der letzten Zeit richtig müde. Die Anspannung, die ständige Konzentration um so viele Dinge wie möglich aufzusaugen, ist weg. Es wird Zeit nach Hause zu fahren. Ortszeit ist es gerade Mittag. Eigentlich sollten wir gegen 18 Uhr abheben, jedoch verspätet sich der Flug um mindestens 3,5 Stunden. Keine Ahnung, wieso der Lufthansa-Flug nicht pünktlich fliegen kann. Ich hoffe, dass der angekündigte Schneesturm Denver bis dahin nicht erreicht hat.

Trotzdem war es hier eine tolle Erfahrung. Ich habe viele interessante, spannende und lustige Leute hier getroffen. Mit manchen war ich abends trinken, wo ich dann erst um einiges später erfahren habe, dass sie eigentlich locker 7 Positionen über mir stehen. Solch eine Umgebung ist dann natürlich sehr angenehm. 15 Uhr geht es zum Flughafen, muss noch etwas tun. Ich melde mich dann aus Deutschland wieder. Holland wurde verschoben, große Projekte, viele Änderungen eben.

Von Blizzards, Gretchen und Nuggets

Die Entwicklung des Schneesturms am Donnerstag hier in Denver war irgendwie lustig zu verfolgen. Am Morgen war noch nix. Als ich dann den Meetingraum gegen 10 Uhr das erste Mal verließ schneite es schon ordentlich, aber nicht wirklich schlimm. Gegen 12 dann stürmte es wie Sau und die Sicht war auf vielleicht 50m verkürzt. Also wurde von den Chefs der Tag abgebrochen und die Hotel-Shuttles herbeordert, so dass sie uns ins Hotel bringen konnten. Inzwischen war die Situation auf den Straßen allerdings schon so chaotisch, dass statt zwei nur noch ein Bus kam und ich am Ende nur Glück hatte, dass ein Kollege aus Denver uns schnell hingebracht hat.

Chaotisch war die Situation auf den Straßen allerdings nicht wegen des Wetters. Meine Kollegen aus dem hinteren Erzgebirge würden darüber wahrscheinlich nur müde lächeln. Und eigentlich müsste man davon ausgehen, dass die Leute hier auf 1600m und nur 30 Minuten von den Rockies entfernt auch daran gewöhnt wären. Pustekuchen. Es beginnt schon damit, dass es hier quasi keine Räumdienste gibt. Selbst am nächsten Tag waren die Straßen teilweise nicht geräumt, vom Streuen kann gar keine Rede sein, das scheint hier gar nicht gemacht zu werden. Dazu kommt dann, dass die Leute hier allerhöchstens mit Allwetterreifen fahren. Noch nie habe ich so viele Riesenjeeps mit Allradantrieb etc. sich auf der Straße drehen sehen. Ein merkwürdiger Anblick. Wie sind mit dem kleinen Toyota Yaris und viel Gewicht auf der Hinterachse (5 Leute im Auto) zum Glück sicher zum Hotel gekommen. Es war abenteuerlich.

Der Nachmittag war dann eher ruhig, ich versuchte meinen VPN Zugang einzurichten und zu ergründen, warum mein Firmenlaptop WLAN hasst. Abends ging es dann für ein paar Bierchen in eine nahe gelegene Bar. Freitag begann dann etwas langsamer, weil zunächst nicht klar war, ob wir überhaupt bis zur Firma kommen würden. Es hatte nämlich noch etwas geschneit. Gegen 10 ging es dann aber los. Wir mussten Trainingsmaterial bearbeiten und möglichst verbessern. Es war anstrengend, ich hasse Powerpoint. Zwischendurch wurde das Wetter draussen allerdings richtig schön, so dass ich ein Bild vom Ausblick auf die Berge mache konnte.

Der Abend war dann lang. Nach der Arbeit sind wir in einer großen Gruppe zunächst in ein Steakhaus gegangen, wo ich ein fantastisches Filet Mignon genoss. 350 Gramm pure Freude. Dazu wurden natürlich auch ein paar Bierchen gekippt, so dass es dann beschwingt in die Bar um die Ecke ging, die am Wochenende anscheinend auch als Disse für die jungen Leute hier dient. Es war voll, aber lustig. Nur leider hörte der Spass schon um 20 nach 1 auf. Dann gingen die Lichter an und alles machte zu. Ich werd mich daran nie gewöhnen.

Samstag war ich dann zwar etwas verkatert, aber was solls, man ist ja noch jung. Nach dem Frühstück sind wir in die nahe gelegene Park Meadows Mall gefahren. Das Wetter war nebenbei wieder genial, wie das Bild zeigt.

Die Mall ist eigentlich ganz nett, aber einkaufen kann man (bis auf den Apple Store) eigentlich vergessen. Die Preise sind unangemessen hoch und die Klamotten nicht wirklich toll. Allerdings gibt es um die Ecke auch einen Best Buy, so dass ich mir endlich Left4Dead gekauft habe. In der Mall aber haben wir ein Mädel kennengelernt, die an einem Stand arbeitete. Wir kamen so ins Gespräch und sie erzählte, dass sie Halb-Deutsche ist. Sie hat sogar den deutschen Pass und kann ein bisschen Deutsch sprechen. Als sie aber ihren Namen nannte, bin ich in ein verrücktes Lachen ausgebrochen. Sie hiess Gretchen. Was ein Klischee. Ich konnte nicht mehr und ich glaube, ich habe sie damit ein bisschen verärgert.

Wieder im Hotel habe ich mir dann ein Mittagsschläfchen gegönnt, bevor es dann nach Downtown Denver ging. Wir hatten uns Karten für das Basketballsiel zwischen den Denver Nuggets und Golden State Warriors organisiert. $66 pro Ticket sicherten uns einen Platz relativ nah am Spielfeld.

Man merkte allerdings schon, dass Sport hier vor allem Familienunterhaltung ist. Es waren viele Eltern mit ihren Kindern unterwegs und in Lautsprecherdurchsagen wurde mehrfach darauf hingewiesen, dass man in der Wortwahl vorsichtig sein sollte. Zuviel Fluchen konnte sogar für deinen Rausschmiss sorgen. Als mir dennoch ein paar mal böse Worte aus dem Mund entfleuchten wurde ich böse von anderen Zuschauern angeschaut. Was mir auch nicht wirklich gefiel war, dass Begeisterung in der Halle vor allem durch das Drumherum aufkam und die Leute nur auf Ansage ein bisschen Stimmung in das Rund brachten. Für uns, die wir Stimmung in Fussballstadien etc. gewöhnt sind eigentlich unvorstellbar.

Trotzdem, es war ein schönes Spiel mit vielen Punkten, welches Denver locker für sich entscheiden konnte. Es gab einige schöne Szenen und spektakuläre Dunks.

Nach dem Spiel sind wir dann noch für eine Weile in der Bar um die Ecke versackt. Heute ist für mich chillen angesagt. Ich brauche einen faulen Sonntag, bevor es dann morgen wieder richtig losgeht. Bisher kann ich mir noch nicht wirklich vorstellen, dass ich in einer Woche eine Gruppe Holländer auf die neue Software schulen soll.

Erster Eindruck aus Denver

Der Trip nach Denver war anstrengend, aber ich habe es ganz gut verkraftet. Jetlag hat sich keines eingestellt, wahrscheinlich, weil ich sowieso nie vor 13 Uhr aufstehe, also wenn ich nicht gerade arbeiten gehe. Dies entspricht 6 Uhr hier vor Ort, die ich eisern, entgegen meiner sonstigen Gewohnheiten, einhalten muss. Viel gesehen habe ich allerdings noch nicht. Es gibt hier auch nicht viel zu sehen.

Denn eigentlich ist die Ortsbeschreibung “Denver” etwas irreführend. Das Hotel liegt weit außerhalb in einem kleinen Kaff namens Lone Tree, direkt neben Littleton (genau jenes Littleton mit der Columbine Highschool – muss ich mal einen Abstecher hin machen gnihihi). Avaya hat in Denver zwei Standorte. Ich muss immer zu dem Bürokomplex der an der Südpitze von Denver liegt, die Stadt ist von da eigentlich nicht zu sehen.

Allerdings hat man von hier bei gutem Wetter einen atemberaubenden Blick auf die Rocky Mountains. Das entschädigt für das sehr trockene Klima – bis zum Ende des Trips werde ich einen ganzen Labello-Stift verbracht haben – und die stark zersiedelte Landschaft. Kein schöner Anblick. Wobei es hier auch sonst nicht besonders freundich für das Auge wäre, da es sich hier um eine Prärie handelt. Mehr als verdörrtes Gras gibt es nicht. Bäume? Fehlanzeige. Das Wetter ist dazu noch sehr wechselhaft. Heute war es sonnig mit bis zu 15°C, für morgen sind 50cm Schnee und -9° angesagt.

Da ich aber davon ausgehe, dass die weiteren Tage ähnlich aussehen werden wie heute, kann mich das nicht wirklich kratzen. Der Tag war lang und es gab viel Neues zu lernen. Alles geschieht hier unter Zeitdruck, so dass 10 Stunden am Tag locker überschritten werden können. Aber hey, ich mag mich nicht beschweren. Die süße Rezeptionistin stellt mir gerade ein paar Vorschläge für Freitag und Samstagnacht in Downtown Denver zusammen.