Genau deswegen

Ich bin ein politischer Mensch. Immer gewesen. Ich bin absolut davon überzeugt, dass ich wissen sollte, was in der Politik Thema ist, was entschieden wird, wie es entschieden wird und welche Argumente dazu geführt haben. Ich mag nicht damit übereinstimmen, aber ich sollte es wissen. Ich glaube, als Bürger bin ich zum Teil auch in einer Holschuld. Und ich verpasse keine Wahl. Aber ich bin nie einer Partei beigetreten und ehrlich gesagt widert mich das politische Geschäft meistens an.

Als ich noch zur Schule ging und mein Interesse an den Dingen der Welt so langsam geweckt wurde, hatte ich in meiner Klasse einen guten Freund, dessen politische Einstellung meiner absolut entgegen stand. Er hatte einen konservativen, wirtschaftsfreundlichen Hintergrund und wurde durch diesen geprägt. Ich war immer die rote Socke, auch wenn ich mich heute eher als sozial-liberal beschreiben würde. Ging es also um politische Themen haben wir uns ohne Ende gefetzt. Für uns beide bedeutete Politik eben nicht nur Interessenvertretung sondern vor allem auch eigene Überzeugung. Man stand für etwas und unterfütterte dies mit mehr oder weniger guten Argumenten. Ich dachte damals: das ist Politik, so muss sie sein.

Aber so denkt man nur als Jugendlicher. Man idealisiert. Die Realität ist eben eine ganz andere und im Moment zeigt sich wieder ein Schauspiel in Berlin, dessen Art zu meiner Desillusionierung beigetragen hat. Denn es geht nicht mehr um Überzeugungen. Es geht nur noch um Interessen. Frau Merkel und Co. haben den Vertrag um die Laufzeitverlängerung der deutschen AKW offensichtlich nicht aus Überzeugung geschlossen, sondern weil er der befreundeten Lobby dienlich war. Wäre die Regierungskoalition wirklich von der Atomkraft überzeugt, dann hätte sie sich heute vor die Kameras gestellt und dies verteidigt. Denn die (mögliche) Katastrophe in Japan hat die Situation in Deutschland ja nicht verändert. Deutsche AKW sind nicht plötzlich unsicherer als vorher. Es ist halt nur gerade opportun.

Und diese Biegsamkeit bis kurz vorm Brechen kotzt mich einfach nur an. Aber in 3 Monaten, wenn das Moratorium auslaufen wird, und das ist die eigentliche Krux, wird sich erst zeigen, wozu dieses Rumeiern überhaupt führen wird. Mein Tipp ist ja, dass sich Frau Merkel vor die Kameras stellt und sagt, dass die Laufzeitverlängerung alternativlos wäre, denn auch die Energiekonzerne brauchten Rechtssicherheit, weshalb man die Verträge jetzt nicht einfach aufheben könne. Aber dann sind einige wichtige Landtagswahlen auch schon wieder gelaufen….

Die Luft ist raus, ich will nach Haus

Die Tage seit dem Wochenende waren sehr anstrengend. Wie es halt bei einem großen Projekt so ist, herrscht immer viel Zeitdruck und es müssen viele Dinge gleichzeitig erledigt werden. Ich habe das eigentlich ganz gut hinbekommen, so dass ich mit meiner Leistung während der letzten zwei Wochen echt zufrieden bin. Nur äussere Einflüsse gingen mir ein bisschen auf die Nerven. Dieses Projekt hat globale Ausmaße, wodurch sich Pläne im 5 Minuten-Takt drei Mal ändern können. Ich mag das nicht, aber muss es wohl akzeptieren.

Heute Morgen hatte ich dann eine Präsentation vor versammelter Mannschaft und ich denke, ich habe es ganz gut hinbekommen. Bin wohl als Trainer geeignet. Das erleichtert mich schon im Hinblick auf die kommenden Aufgaben. Nur jetzt fühle ich mich das erste Mal während der letzten Zeit richtig müde. Die Anspannung, die ständige Konzentration um so viele Dinge wie möglich aufzusaugen, ist weg. Es wird Zeit nach Hause zu fahren. Ortszeit ist es gerade Mittag. Eigentlich sollten wir gegen 18 Uhr abheben, jedoch verspätet sich der Flug um mindestens 3,5 Stunden. Keine Ahnung, wieso der Lufthansa-Flug nicht pünktlich fliegen kann. Ich hoffe, dass der angekündigte Schneesturm Denver bis dahin nicht erreicht hat.

Trotzdem war es hier eine tolle Erfahrung. Ich habe viele interessante, spannende und lustige Leute hier getroffen. Mit manchen war ich abends trinken, wo ich dann erst um einiges später erfahren habe, dass sie eigentlich locker 7 Positionen über mir stehen. Solch eine Umgebung ist dann natürlich sehr angenehm. 15 Uhr geht es zum Flughafen, muss noch etwas tun. Ich melde mich dann aus Deutschland wieder. Holland wurde verschoben, große Projekte, viele Änderungen eben.

Ein PR Coup der keiner ist

Man nehme eine Tragödie und man kann die Uhr danach stellen, dass einige Gesellschaftsgruppen ihr widerliches Gesicht zeigen. Die Presse dieser Tage etwa, wie Stefan hier und an anderer Stelle anschaulich darlegt.

Der Amoklauf in Winnenden treibt aber besondere Blüten. Heute hat Kaufhof angekündigt, alle Medien, die laut FSK und USK ab 18 gekennzeichnet sind, aus den Regalen zu nehmen. Wegen Winnenden. Alles klar?! Chris weißt richtigerweise daraufhin, wie heuchlerisch die Ankündigung ist, wenn andere Unternehmen der Gruppe wie Media Markt und Saturn weiterhin auch 18+ Titel verkaufen. Verkauft Kaufhof in einigen Filialen nicht auch Spirituosen, also Getränke, die erst ab 18 zu haben sein dürfen? Werden die Flaschen nun auch ausgeräumt? Aber ich bin nicht seiner Meinung, dass es sich hier um einen PR-Coup handelt.

Ich glaube vielmehr, dass dies das Eingeständnis von Galeria Kaufhof ist, dass die eigenen Mitarbeiter einfach zu blöd oder zu faul sind, auf die inzwischen übergroßen Sticker auf den Verpackungen zu achten und dementsprechend nach Ausweisen zu fragen. Denn der Einzelhandel ist im allgemeinen das schwächste Glied bei der Durchsetzung des Jugendschutzes. Da können USK/ FSK noch so genau prüfen, die Gesetze noch so strikt sein, wenn beim Kauf am Ende doch nicht auf das Alter des Käufers geachtet wird.