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Was will Protest gegen G8?

8. Juni 2007

Trotz einiger Auflage und Verbote ist es den G8-Kritikern seit Samstag effektiv gelungen in den Medien mit verschiedensten Aktionen präsent zu sein. Ob nun mit dem alternativen G8-Kipfel, dem Konzert „Deine Stimme gegen Armut“ oder den Sitzblockaden rund um Heiligendamm. Das war gut und ist ein großer Erfolg für die Kritiker.

Trotzdem habe ich leichte Bauchschmerzen. Gerade die Sitzblockaden und einige kleinere Aktionen lassen für mich die Frage aufkommen, worum es den Protestierern überhaupt ging. Ging es um eine reine „Ich bin gegen alles“-Haltung, oder um mehr? Denn das ist vor allem dank der Medien nicht immer wirklich deutlich geworden. Tagelang wurden die Sitzblockaden im Fernsehen gezeigt. Doch anstatt darüber zu sprechen, warum blockiert wird, wurde meist nur über die Sicherheitslage berichtet, alles andere wurde meist außen vorgelassen. Oder die Protestierer wurden subtil unter den Verdacht gestellt, dass ihnen die G8-Gespräche egal seien, nur ihre eigene Meinung zählen würde. Bilder von Wasserwerfern prägten die Bilder, nicht der Blick auf Transparente oder Gespräche mit den G8-Kritikern. Natürlich waren die Kritiker dementsprechend dauernd zu sehen, aber die Inhalte wurden stark in den Hintergrund gedrängt.

Aber auch die G8-Gegner selber machen es mir nicht einfacher. Was soll bitte diese Aktion? Was hat das nackte Laufen auf einer Wiese mit den Problemen der Welt zu tun? Was haben gezielte Provokationen gegen die Polizei mit Hunger und Klimakatastrophen zu tun? Mir ist klar, dass die G8-Kritiker Publicity brauchen. Aber diese Publicity sollte bitte die Themen in den Vordergrund stellen. Nackte Ärsche und Brüste tun dies nicht.

Natürlich sind nur die wenigsten in der komfortablen Position, wie Bono oder Bob Geldof, ihr Anliegen direkt in die Fernsehkameras zu schreien. Trotzdem finde ich, dass G8-Kritiker beim nächsten Mal dann doch wieder eher versuchen sollten, mit Sachthemen auf sich aufmerksam zu machen. Und die Medien sollten versuchen, auf diese auch einzugehen. Denn das ist das Interessante an dem Protest gegen G8 und andere Gremien und Institutionen. Publicity-Stunts alleine bringen gar nichts.

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3 Discussion to this post

  1. Looza sagt:

    Tja, das ist halt wirklich die große, große Frage, speziell da es ja „den“ Protest gar nicht gibt.

    Ich persönlich hätte da mit ein wenig Organisation hinfahren können, hab mich aber aus dem simplen Grund dagegen entschieden das es ja eigentlich keinen von den be-demonstrierten wirklich interessiert. Ich finde es aber generell schon sinnvoll und legitim mit seiner Anwesenheit zu zeigen das man „dagegen“ ist, gegen was speziell sei erstmal dahin gestellt.
    Was mir halt wirklich sauer aufstößt ist wirklich diese Verallgemeinerung, es gibt eben keinen gleichgeschalteten Protest und das macht es z.b. den Medien (die das wollen) auch extrem einfach ein paar reichlich einfältige Leute vor die Kamera zu zerren und die vorzuführen, wie z.b. auch dem Spiegel der ein paar dutzend Protestler bei McDoof gesehen hat und das gleichmal ausschlachtet worauf die Gutmenschen sich in den Foren auf die Schenkel klopfen und über die doofen G8-Protestierer herziehen. Es ist schon so das über die Inhalte einfach mal gar nicht berichtet wurde.
    Bei den von dir angesprochenen nackten Protestlern ging es vermutlich wirklich nur darum auszutesten wie weit die Polizisten gehen würden, das die dann Pfefferspray verteilen war sicher vorauszusehen.

    Auf der anderen Seite sind mir diese teilweise über-aktionistisch veranlagten Demonstrierer dann aber eben doch tausendmal lieber als der deutsche Michel der zu Hause auf dem Sofa über die scheiß Chaoten schimpft und schon vergessen hat das Demonstrationen einfach eine rechtmäßige, legitime und wirklich wichtige Meinungsäußerung sind. Der ihre Meinungsäüßerung besteht nämlich nur aus dem Aufpappen des jeweils aktuellen Bild-Aufklebers aufs Auto und bei Kommentaren wie „was wollen die Leute da überhaupt, die sollen sich nicht wundern wenn sie auf die Fresse kriegen“ in diversen Blogs und Foren stößts mir dann echt sauer auf.

  2. Marcel sagt:

    „Ich finde es aber generell schon sinnvoll und legitim mit seiner Anwesenheit zu zeigen das man “dagegen” ist, gegen was speziell sei erstmal dahin gestellt.“

    Das ist absolut richtig, dem stimme ich bei. Ich habe aber ein Problem damit, wenn hinter den Dagegen-Sein kein bestimmter Grund außer dem Prinzip steht.

    Das Problem mit den nackten Protestlern ist doch, dass sie den Fokus auf sich ziehen, weg von den Dingen, die wirklich wichtig sind.

    Der letzte Absatz haette von mir sein können.

    Ich mein ich habe schon ein etwas schlechtes Gewissen, dass ich hier gemütlich vor meinem Rechner sitze und „Manöverkritik“ übe. Andererseits denke ich, dass es wichtig ist, darauf hinzuweisen, wie man den Protest und seine Gründe doch mehr in den Vordergrund schieben könnte.

  3. Looza sagt:

    Tja, die große, große Frage … Ich bin vermutlich alterbedingt seit einer Weile in einer fetten Politikkrise drin, weil man über die Jahre einfach feststellt das a) alles scheißkomplex ist, b) Änderungen nur sehr, sehr langsam passieren, c) nicht alles so ist wie man es vor zehn Jahren noch gesehen hat und d) sich auch ganz simpel keine Sau dafür interessiert was ich eigentlich für eine Meinung, Vorschläge und Lösungsansätze habe.

    Und kleines Gedankenspiel einfach : Wäre der Gipfel völlig unbehelligt abgelaufen, wäre niemand dort rummarschiert, hätte nichts blockiert, nichts gegrölt, wären alle zu Hause geblieben … Das wäre wirklich unerträglich gewesen.

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