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Wenn der Gauck zweimal klingelt

20. Februar 2012

Offensichtlich sind einige der Gauck-Zitate aus dem Kontext genommen worden. Das ist wohl so. Wobei mich schon wundert, wie es bei einem angeblich so geschliffenen Rhetoriker so häufig geschehen kann. Sei es drum. Interessanter jedoch ist, wie die Gauck-besoffenen Fanbois auf folgende Texte reagieren.

Hier hätten wir die Retrospektive auf ein Gespräch mit Gauck im Jahr 1991, als er bereits ein Jahr Leiter der Stasiunterlagenbehörde war. Auch gut, aber mit einer Prise Salz zu nehmen, ist diese Abrechnung mit Gaucks eigener verakteten DDR-Vergangenheit.

Das hat schon alles einen ekelhaften Geruch, nur dadurch getopt, dass Gauk als „Erneuerer der Demokratie“ hochgejubelt wird, bisher aber in einer Wahl ohne Gegenkandidat antritt. Aber dann legt sich das Unbehagen mit der Gewissheit, dass das Amt ohnehin schon darniederliegt. Der Rest ist nur noch Leichenschändung. Widerlich, aber egal.

Update: Was Google so alles zu Tage fördert. Gaucks Verhältnis zur Oder-Neiße-Linie zum Beispiel:

Er sieht seine Kompetenz in der Geschichtsschreibung. Dort neigt er zu groben Rastern. In seinem 1998 erschienenen Nachwort zur deutschen Ausgabe des „Schwarzbuch des Kommunismus“ wird das ganze Sündenregister aufgelistet: „Unbeliebt machten sich die Kommunisten auch, als sie Stalins Territorialforderungen nachgaben, die Westverschiebung Polens und damit den Verlust der deutschen Ostgebiete guthießen.“ Unerwähnt bleibt, dass auch die Westalliierten die Abtretung der Ostgebiete und die Ausweisung der Deutschen als unausweichliche Konsequenz des Krieges betrachteten. Gauck legt noch eins drauf: „Einheimischen wie Vertriebenen galt der Verlust der Heimat als grobes Unrecht, das die Kommunisten noch zementierten, als sie 1950 die Oder-Neiße-Grenze als neue deutsch-polnische Staatsgrenze anerkannten.“ Gauck distanziert sich von dieser Haltung nicht. Wegen derartig zwielichtiger Äußerungen kam Erika Steinbach nicht in den Stiftungsrat des Zentrums gegen Vertreibungen. Auf den Antrittsbesuch eines Bundespräsidenten Gauck beim polnischen Nachbarn dürfte man gespannt sein.
 
In jenem Nachwort bekräftigt Gauck auch seine Standardthese, wonach – mit ausdrücklichem Bezug auf die DDR – der Kommunismus ebenso als totalitär eingestuft werden muss wie der Nationalsozialismus. Ähnlichkeiten sieht er besonders in den „Folgen staatsterroristischer Herrschaft auf die Bürger“. Eine frivole Relativierung der NS-Verbrechen nannte Jochen Zimmer, sozialdemokratischer Herausgeber des „Gauck-Lesebuchs“ (Eichborn-Verlag) dieses Geschichtsbild.

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Discussion about this post

  1. Marcel sagt:

    na klar, das bestreite ich ja auch nicht. der sz artikel hat ja den gleichen tenor. und das ist auch okay. fast allem gebe ich recht. bis auf das SZ interview zu sarazzin. dessen biologistische thesen als petitesse zu nehmen fand ich schon ein starkes stück. und ich hatte das interview schon da gelesen, nicht erst vor ein paar tagen.

    aber, von den zitaten abgesehen, sind die beiden anderen texte viel interessanter. es gibt da wohl auch noch interessante einlassungen zur oder/neiße-linie seinerseits. update siehe oben.

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