Sächsische Verhältnisse II: Legal, Illegal, Scheissegal

Bald ist wieder Februar. Das bedeutet, Nazis werden wieder versuchen, durch Dresden zu marschieren. Die letztjährige Auflage hat unter dem Stichwort Handygate einige Berühmtheit erlangt. Dabei wurden großflächig Funkzellenabfragen in Dresden gestartet und dabei alle Handynutzer in einem großen Bereich von Dresden vor, während und nach den Demos erfasst. Dazu wurden auch IMSI-Catcher eingesetzt (siehe). Um das Gedächtnis aufzufrischen, was den Umfang dieser Überwachungsmaßnahmen angeht, bitte folgendes Video anschauen:

 

Einzige Konsequenz bisher: der Dresdner Polizeipräsident Dieter Hanitsch wurde weggelobt und durch Dieter Kroll ersetzt. That’s it. Obwohl der Datenschutzbeauftragte Sachsens in seinem Prüfbericht folgendermaßen zitiert werden kann:

Von einer Beanstandung konnte ich nicht nach § 29 II SächsDSG absehen, da das Handeln der Staatsanwaltschaft Dresden und des LKA Sachsen zu einem unverhältnismäßigen Eingriff in die Grundrechte von ca. 257.000 Personen, von denen über 40.000 namentlich ermittelt wurden, führten, sowie die spezifischen Rechte von Abgeordneten, Rechtsanwälten und Journalisten in Ausübung ihrer Tätigkeit unzureichend beachtet wurden. Staatsanwaltschaft und LKA haben damit mangelnden Respekt vor dem Fernmeldegeheimnis […], der Pressefreiheit […], der Religionsfreiheit […] sowie den spezifischen Rechten von Abgeordneten und Rechtsanwälten gezeigt. Ich bewerte dieses Vorgehen als besonders schwerwiegend.

Grund für den Abzug Hanitsch’ als Polizeipräsident waren demnach auch nur Informationsdefizite. Mehr nicht. Oder wie es Carsten Biesok, rechtspolitischer Sprecher der FDP-Fraktion im sächsischen Landtag, so süß ausdrückte:

Nach Lage der Dinge ist die Dresdner Polizei bei der Erhebung von Handydaten im Umfeld des 19. Februar diesen Jahres nicht mit der notwendigen Sensibilität vorgegangen.

Fehlende Sensibilität. Wie goldig. Aber das war ja noch vor dem Prüfbericht  (pdf) des Datenschutzbeauftragten. Jetzt hätte man zumindest danach erwarten können, dass man in Dresden etwas vorsichtiger mit dem Thema umgeht und vielleicht etwas umdenkt. Doch da noch kein Richter darüber entschieden hat, scheint sich in Dresden immer noch die Meinung zu halten, dass man alles richtig gemacht hätte.

Denn der neue Dresdner Polizeipräsident macht dort weiter, wo sein Vorgänger aufgehört hatte. Mit einem Unterschied: um etwaigen Informationsdefiziten vorzubeugen, kündigt er die Totalüberwachung schon mal gut einen Monat vorher an:

Die Dresdner Polizei setzt weiterhin auf die Speicherung von Handydaten. Das sagte Polizeipräsident Dieter Kroll im DNN-Interview. Falls nötig, soll die umstrittene Funkzellenabfrage auch bei den Februar-Demonstrationen in reichlich vier Wochen genutzt werden, um später über Daten von mutmaßlichen Gewalttätern verfügen zu können, erklärte der Polizeipräsident. Kroll ist in diesem Jahr erstmals für die Arbeit der Polizei rund um den 13. Februar zuständig.

Ganz nach dem Motto: jetzt wisst ihr schon vorher, dass ihr euch in die Rechtsstaatsbefreite Zone begebt (als ob das bei überqueren der sächsischen Landesgrenzen… ich schweife ab.) Nebenbei nicht die einzige Warnung. So will der Herr tatsächlich auch Wasserwerfer und ähnlich schweres Gerät auffahren lassen. Nicht gegen Randalierer und Steinewerfer. Ne, viel äh besser:

Bei den Einsätzen im Februar wolle er den gesamten „Instrumentenkasten” der Polizei nutzen, sofern das erforderlich ist, sagte der Polizeipräsident. Dazu zählt er nicht nur „einfache körperliche Gewalt”, sollten Blockierer versuchen, das Versammlungsrecht anderer Personen einzuschränken, sondern notfalls auch den Einsatz von Wasserwerfern, Räumpanzern und anderen Hilfsmitteln.

Ich halte das für unfassbar. Aber so sind sie eben, die sächsischen Verhältnisse.

Retrogaming mit dem SNES

Super Nintendo Entertainment System. Keine anderen 4 Worte beschreiben die Zeit zwischen meinem 10. und 15. Lebensjahr besser. Vorher hatte ich zwar schon einen Gameboy, aber richtig angefixt hat mich erst das SNES und für immer für die Verführungen von Videospielen empfänglich gemacht. Von einigen Spielen schwärme ich noch heute. Die rosarote Brille hat aber nichts damit zu tun.

Tatsächlich sind Spiele aus der 16Bit-Ära im Gegensatz zu nachfolgenden Generationen gut gealtert und spielbar. Im Netz sind verschiedene Emulatoren zu finden, mit denen die Grafik und der Sound zum Teil sogar noch aufgewertet werden. Unter OSX kann ich Snes9X sehr empfehlen, unter Windows ZSNES. Emulatoren haben aber leider den Hasenfuß, dass man sich mit den Spiele-ROMs in einer rechtlich grau-schwarz-schwarzen Zone befindet.

Auch ich habe mich damit beholfen, hatte aber immer den Wunsch, mir wieder eine richtige Konsole zu besorgen. Wie es der Zufall so will, landete ein gut erhaltenes Modell zu Weihnachten auf meinem Gabentisch. Aber man muss gar nicht mal die Liebsten hoffen. Tatsächlich lassen sich die Konsolen relativ günstig finden. Je nach Ausstattung (Controller, Kabel etc.) kann man sie bei einem lokalen A&V, spezialisierten Gamingshops oder aber auf ebay für 30 – 70 Euro erstehen. Dabei sollte man sich nicht von etwaigen Verfärbungen der Plastikhülle abschrecken lassen, das ist normal und der verwendeten Kunststoffmischung geschuldet. Ein größeres Problem sind aber die Controller,  deren Tasten mit der Zeit einfach nachlassen. Online kann man nur vertrauen, im Laden unbedingt vorher ausprobieren. Allerdings: wenn man nicht unbedingt Originalcontroller braucht, tun es die diversen Dritthersteller auch.

Spiele bekommt man grundsätzlich über die gleichen Wege. Sorgen über den Zustand muss man sich jedoch nie machen. Die Cartridges sind mehr oder weniger unkaputtbar, die einzige Angriffsfläche bieten die Kontakte zur Konsole hin. Durchpusten oder die Reinigung mit etwas Alkohol helfen jedoch immer. Problematisch sind wenn überhaupt die verbauten Batterien, die das Modul mit Strom versorgen, um Speicherstände zu erhalten. Diese geben irgendwann einfach ihren Geist auf. Lösung ist hier der Austausch der Knopfzelle, Anleitungen sind mannigfaltig zu finden. Spezialisierte Läden, wie das RETRO Games in der Eisenbahnstrasse, übernehmen das bestimmt auch gerne.

Beim Kauf der Spiele sollte man wiederum nicht allzu blauäugig sein. Nur weil der eBay-Verkäufer meint, die Aussage “Selten” mit 5 Ausrufezeichen zu versehen, muss dem noch lange nicht so sein. Grundsätzlich gilt, dass sich alle Mario und Donkey Kong Country Teile vor 15-20 Jahren so gut verkauft haben, dass sie noch sehr oft und einfach zu bekommen sind. Gleiches gilt auch für Secret of Mana, dass trotzdem teilweise Mondpreise erzielt. Wie immer gilt, dass sich etwas Geduld auszahlt, denn irgendwann wird sich das gewünschte Spiel mal in einer Privatauktion finden lassen, wo man es dann teilweise deutlich günstiger bekommt, als bei den spezialisierten eBay-Händlern. Kann man auf Verpackungen und Anleitungen verzichten, sollte man mit ein paar Ausnahmen (Mega Man, Castlevania: Vampires Kiss und ein paar andere) jedes regulär in Deutschland erschienene Spiel für 5 bis 15 Euro erwerben können. Muss das Spiel nicht auf Deutsch sein, sind die Amazon-UK Marketplaces einen Blick wert.

Schwierigere, und damit auch teurere, Fälle sind Titel, die in Deutschland indiziert waren oder aber erst gar nicht erschienen sind. Indizierte Titel sind bei eBay Deutschland grundsätzlich nicht zu haben (wenn, dann nur mit viel Glück, wenn die eBay Kontrolle versagt hat). Hier lohnt sich ein Blick entweder auf die internationalen eBay-Seiten oder aber auf die Amazon.Co.Uk Marketplaces. Hier gibt es immer wieder Anbieter, die auch nach Deutschland versenden. Und die Preise sind human. Mortal Kombat II hat mich dort nur 14€ gekostet. Einige der größten Klassiker für das SNES haben niemals den Sprung nach Europa geschafft. Darunter Final Fantasy 5 & 6 (in den USA Final Fantasy 2 & 3) und Chrono Trigger. Diese bekommt man nur als US-Version und braucht dafür entweder einen Adapter oder ein umgebautes SNES, um sie hier spielen zu können. Die Preise sind auch dementsprechend hoch. Final Fantasy 6 habe ich mit etwas Glück für 40€ schiessen können, höhere Preise sind durchaus normal. Auch hier lohnt sich aber immer ein Blick auf ausländische Seiten, die oftmals selbst mit Versandkosten günstiger sind, als Angebote von deutschen Händlern. Und dann gibt es ja auch noch die Spiele, die es nur in Japan gab. Der Nachfolger von Secret of Mana zum Beispiel. Wer des Japanischen mächtig ist (oder ein Hardcoresammler), kann auf eBay gerne sein Glück versuchen. Ich bleibe da dann doch lieber bei ROMs mit Fanübersetzungen.

Überhaupt: Regionalsperren. Schon damals war es so, dass sich US oder japanische Spiele nicht auf europäischen Konsolen spielen ließen. Dies lag zum einen an der verwendeten TV-Technik (EU: PAL, US: NTSC, Japan: NTSC), zum anderen an unterschiedlichen Bauformen. Um dies zu umgehen, braucht man entweder Adapter, die zwischen Spiel und Konsole gesteckt werden, oder aber man baut bzw. lässt seine Konsole umbauen. Möglich ist dies zum Beispiel bei Wolfsoft.

Das beste Spielerlebnis hat man mit einem Röhrenfernseher. Aufgrund der Tatsache, dass moderne LCD/ LED Fernseher eine Mindestauflösung haben, werden die Bilder des SNES hochskaliert und sehen deshalb immer etwas arg pixelig aus. Wer noch etwas Platz dafür hat, sollte es sich gönnen. In der eigenen Bekanntschaft kann man bestimmt immer ein günstiges Gerät erwerben.

Zu guter Letzt ein Tipp. Wer sich den Aufwand mit einer eigenen Konsole sparen und trotzdem Originalspiele mit Controller spielen will, sollte sich die Retrode mal ansehen. Ich versinke derweil in einer Welle der Nostalgie. Wie gut das Winter ist (zumindest laut Kalender und so).

Nach dem Sprung eine subjektive Liste mit Spielen, die man haben muss. Einige davon habe ich schon, nach anderen jage ich noch. Eine gute Datenbank zu Retrospielen findet man bei mobygames.com.

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Sächsische Verhältnisse I – Holger Zastrow (FDP)

In Sachsen regiert derzeit eine schwarz-gelbe Koalition und als unwissender Beobachter könnte man auf die Idee kommen, dass die FDP wenigstens für ein wenig Liberalismus in dieser tiefschwarzen Region sorgt. Aber die FDP ist nicht nur bundesweit eine Enttäuschung. Hier in Sachsen, wer hätte das gedacht, steht sie stramm rechts der Mitte und sieht bei allem Linken sofort rot, personifiziert durch ihren Chef hier im Lande, Holger Zastrow.

In einem aktuellen SZ-Interview beklagt er “vermeintliche Eliten”, die einen links-grünen Zeitgeist herbei schreiben würden. Weiter setzt er besorgte Bürger, die ihren Sorgen zum Beispiel durch Leserbriefe Ausdruck verleihen schon mal mit Gleisschotterern gleich:

Die meisten Menschen gehen arbeiten, kümmern sich um ihre Familien, engagieren sich vor Ort in Vereinen und haben gar keine Zeit und sehen auch keinen Grund, Leserbriefe zu schreiben, sich an Bäume zu ketten und Gleise zu schottern.

Merke: schreibst du einen Leserbrief, befindest du dich in Herr Zastrows Augen schon auf dem Weg zum Linksradikalen. Sein weiteres Bashing einer “vermeintlichen Elite” erinnert dann auch eher an den Duktus rechtskonservativer Kreise. Aber es ist ja nicht das erste Mal. Im Zuge der Demonstationen gegen die Naziaufmärsche in Dresden fällt er schon mal mit folgenden Worten auf:

Zastrow hatte jedoch eine Kooperation mit Linken bei den Demonstrationen abgelehnt. Zugleich warnte er den Koalitionspartner CDU davor, sich bedingungslos an die Seite linker Kräfte zu stellen. „Die CDU darf linken Kräften nicht auf den Leim gehen, die gewalttätigen Extremisten einen politischen Schutzschirm aufspannen und ihnen ein demokratisches Deckmäntelchen umhängen”, wurde der Partei- und Fraktionschef der Liberalen zitiert. Zastrow hatte von Linken, SPD und Grünen wiederholt eine klare Distanzierung gegenüber Gewalttätern verlangt. Nach deren Meinung war das mehrfach geschehen.

Linker Protest gegen Nazis ist nach seiner Lesart also ein Sprungbrett für Linksextremisten. Alles klar soweit? Weiter:

Linke, SPD und Grüne müssen endlich ihr Verhältnis zur Demokratie, zum Rechtsstaat und zur Gewalt als Mittel der politischen Auseinandersetzung klären.

Ich würde das ja realitätsfremd nennen, aber hey, das ist nun mal die sächsische Realität. Im SZ-Interview antwortet er zum Thema Bürgerrechte folgendermaßen:

Es darf nicht sein, dass wild Daten gesammelt und in alle Ewigkeit aufgehoben werden. Wir hatten hier in Sachsen am 13. Februar 2011 das Beispiel, dass Handydaten massenhaft gesammelt wurden. Das nehmen wir Liberale nicht hin. Unsere Parteifreundin und Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger sorgt deshalb dafür, dass die Vorratsdatenspeicherung nicht so kommt, wie sich das die Union vorstellt.

Ob Herr Zastrow seinen Koalitionspartner und die sächsischen Strafverfolgungsbehörden auch nach ihrer Rechtsstaatstreue gefragt hat? Wahrscheinlich nicht, von einem Koalitionskrach war nach dem 19. Februar jedenfalls nichts zu hören. Stattdessen geschah folgendes:

Wohl einmalig in der deutschen Nachkriegsgeschichte dürften auch die Fälle von Bodo Ramelow und Dr. André Hahn sein. Den Vorsitzenden der Fraktionen der LINKEN im sächsischen und thüringischen Landtag wurde mit den Stimmen von FDP und CDU, in Sachsen sogar gemeinsam mit der NPD, die parlamentarische Immunität genommen, weil sie am 14. Februar 2010 an Versammlungen gegen Neonazis teilgenommen hatten.

Wohlgemerkt: mit den Stimmen der NPD! Welch Wunder. Sächsische Verhältnisse eben.